Hersteller des WhisperGen muss Insolvenz anmelden

WhisperGen (Grafik: WhisperTech / EHE)Erst vor zwei Monaten bestand bei der Efficient Home Energy S.L. im spanischen Tolosa Grund zur Freude. Nach fast einjähriger Verzögerung ist es dem Hersteller des WhisperGen endlich gelungen, das für den Betrieb mit Erdgas optimierte Gerät technisch auch für den Einsatz von Flüssiggas anzupassen und die notwendigen Zertifizierungen zu erhalten. In den letzten Wochen verflog die Freude über diesen Erfolg jedoch schnell, denn das Unternehmen sah sich zunehmend mit finanziellen Problemen konfrontiert.

Nachdem alle Bemühungen und vorgeschaltete Vergleichsverfahren scheiterten, musste vor wenigen Tagen, am 26. November, schließlich die Insolvenz der Efficient Home Energy S.L. (EHE) angemeldet werden. Nach Informationen der BHKW-Infothek sieht sich die EHE-Geschäftsführung jedoch in der Lage, die Ersatzteilversorgung und die weitere Entwicklung des WhisperGen für die nächsten Monate gewährleisten zu können. Die Produktion neuer Geräte ist hingegen bis zur Lösung der angespannten finanziellen Lage ausgesetzt.

Die Entwicklung einer stromerzeugenden Heizung mit dem WhisperGen Stirlingmotor begann ursprünglich bereits 1987 als Projekt an der University of Canterbury in Neuseeland. Im Jahr 2008 wurde EHE als Joint Venture zur Produktion des WhisperGen in Europa von der neuseeländischen Whisper Tech Limited, einem Unternehmen, das mehrheitlich dem staatlichen neuseeländischen Energieversorger Meridian Energy gehörte, und der Mondragón Corporación Cooperativa, einer spanischen Produktionsgenossenschaft, gegründet. Dank der Zusammenführung des in Neuseeland gesammelten Wissens und der in der Produktion von Heiztechnik und Elektronikprodukten erfahrenen Mitarbeiter der Mondragón Gruppe, konnte der WhisperGen bei EHE schnell zur Serienreife geführt werden und wird seit zwei Jahren im großzügig dimensionierten EHE-Werk in Tolosa gefertigt.

Der erwartete Verkaufserfolg des WhisperGen blieb jedoch aus. Zwischenzeitlich nahmen die etablierten Heiztechnikhersteller an Stelle des WhisperGen andere Nano-BHKW mit Stirlingmotoren von Microgen sowie Verbrennungsmotoren von Honda in ihr Programm auf, die eine bessere Effizienz boten und in eigene Produkte implementiert werden konnten. Auch der Ankündigung von E.ON UK 80.000 WhisperGen abnehmen zu wollen, folgte kein reales Geschäft.

In Neuseeland schien man diese Entwicklung mit Sorge zu verfolgen. Nach anfänglichem Personalabbau bei Whisper Tech im neuseeländischen Christchurch beschloss Meridian Energy im Juni dieses Jahres seine Anteile an Whisper Tech, und damit indirekt der Beteiligung am Joint Venture in Spanien, abzustoßen. Für die 12 verbliebenen Whisper Tech Mitarbeiter in Neuseeland verkündete Meridian Energy bei der Suche nach neuen Stellen helfen zu wollen. Die Rechte am WhisperGen wurden von Unternehmen der Mondragón Gruppe erworben.


Produktion des WhisperGen bei Efficient Home Energy
(Video: Efficient Home Energy S.L.)

EHE-Geschäftsführer Iñaki Ocaña informierte bereits Mitte November vor der Insolvenzantragstellung ausgewählte Vertriebspartner über die bevorstehenden Schritte. Im Rahmen des Insolvenzverfahrens sollen die Gespräche mit potentiellen Investoren fortgesetzt werden. Weiterhin seien auch die Unternehmen der Mondragón Corporación Cooperativa bereit, EHE mit weiterem Kapital zu versorgen, sofern dies erforderlich ist, um den Fortbestand von EHE vorerst zu sichern.

„Aufgrund der Wirtschaftskrise in Spanien und des derzeit eher schwächelnden Absatzes des WhisperGen ist ein neuer Investor für EHE sehr wichtig. Meridian hat wie E.ON UK leider beschlossen, sich auf das eigene Kerngeschäft zu konzentrieren. Die drei derzeitigen Shareholder von EHE aus der Mondragón Gruppe wollen EHE jedoch nicht alleine tragen und suchen daher nach einem Ersatz für den im Juni ausgestiegenen Shareholder Meridian“, erläutert EHE Sales und Marketing Director Jochen Henn die derzeitige Lage im Gespräch mit der BHKW-Infothek.

Durch wirkungsgradsteigernde Verbesserungen will EHE die Konkurrenzfähigkeit des WhisperGen insbesondere im Vergleich mit den derzeit effizienteren Stirlingmotoren aus dem Hause Microgen steigern. Mit einem Strom zu Wärme Verhältnis von etwa 1:7 bis 1:8 ist der WhisperGen derzeit weit entfernt von den Nano-BHKW mit Microgen Stirlingmotor, die typischerweise ein Strom zu Wärme Verhältnis von etwa 1:5 erreichen. Blockheizkraftwerke mit Verbrennungsmotor erreichen hingegen noch wesentlich bessere Werte. Spitzenreiter mit einem Verhältnis von 1:2,5 ist derzeit das ecoPOWER 1.0 aus dem Hause Vaillant mit einem Honda Verbrennungsmotor.

Neben einer technischen Aufwertung und Wirkungsgradsteigerung müsste daher auch der Preis des WhisperGen deutlich gesenkt werden, um den WhisperGen für BHKW-Interessenten wieder attraktiv erscheinen zu lassen und nennenswerte Absatzzahlen auf dem deutschen Markt erreichen zu können.

Vertrieben wird der WhisperGen in Deutschland exklusiv über die BHKW-Distributoren 2G Home und Sanevo. 2G Home Geschäftsführer Marcel Hartmann war von der Insolvenzantragstellung der Efficient Home Energy S.L. überrascht. „Die 2G Home GmbH stellt vorläufig den Verkauf von Neuanlagen des Produktes WhisperGen mit 1 kW elektrischer Nennleistung ein. Der Service und die Ersatzteilversorgung für den WhisperGen wird von uns aufrecht erhalten. 2G Home wird sich ab sofort weiter auf den Vertrieb der G-BOX im Leistungsbereich zwischen 20 und 50 kW konzentrieren“, so Hartmann.

Sanevo Geschäftsführer Gert Studer äußerte sich im Gespräch mit der BHKW-Infothek verhalten zuversichtlich: „EHE versichert uns, dass die Aktivitäten und Partnerschaften in Deutschland weiter verfolgt werden und auch Serviceleistungen sowie die Versorgung mit Ersatzteilen und Zubehör trotz des laufenden Insolvenzverfahrens fortgesetzt werde. Dennoch wird sanevo den Vertrieb des WhisperGen einstellen, bis Klarheit für die Zukunft von EHE besteht und eine technisch verbesserte Version des WhisperGen verfügbar ist.“

UPDATE vom 18.02.2013 >> Auch sanevo ist insolvent – Das Aus für den WhisperGen?

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Ein Artikel von Louis-F. Stahl

 

9 Kommentare zu Hersteller des WhisperGen muss Insolvenz anmelden

  1. Jens sagt:

    Erst OTAG vor einem Jahr, jetzt EHE… beide sind technisch nicht auf der Höhe der Zeit. Ob Sanierungen da lohnen?

  2. Kraftwerker sagt:

    Die Stirlings sind alle viel zu teuer! Für den gleichen Preis schafft das ecopower 1 die doppelte elektrische Effizienz. Wenn die Stirlings überhaupt einen Markt haben, dann in der 7.000 Euro Klasse. Für 10 bis 13 Kiloeuro brauchen sich die Hersteller nicht wundern, dass die schwerer wie Blei in den Regalen kleben.

  3. Hoschi sagt:

    Mittlerweile hat das BHKW-Infozentrum auch abgeschrieben… lustig ;D

    • BHKW-Infothek sagt:

      Hallo Hoschi,

      vielen Dank für den Hinweis. Dass unsere mühevoll recherchierten Artikel knapp zusammengefasst nach wenigen Stunden auf zahlreichen anderen Webseiten als „eigene Recherche“ erscheinen oder auch in Zeitschriften abgedruckt werden, beobachten wir natürlich ebenfalls. Selbstverständlich würde es uns mehr freuen, wenn andernorts ein Hinweis auf die Quelle – insbesondere von Zitaten – erfolgen würde, aber das ist leider nicht üblich.

      Beste Grüße

  4. BHKW-Infozentrum sagt:

    Abgeschrieben?
    Nachdem wir bereits am Freitag seitens eines Vertrieblers den Hinweis bekommen haben, wurde am Montag bei Sanevo, 2G-Home und dem Vertrieb der Gasag angerufen und ein Bericht verfasst.
    Die BHKW-Infothek war mit der Veröffentlichung ihres Berichtes ein paar Stunden schneller.
    Wo sich die Berichte gleichen – außer in Bezug auf die Thematik – weiss ich nicht.

    • Hoschi sagt:

      Gleiche Interviewpartner mit gleicher Aussage. Und nur die Häfte der Informationen von hier abgeschrieben! Aber kommt ja öfter vor. Auch mit Mitteilungen des B.KWK die kurzerhand zu Mitteilungen des BHKW-Infozentrum werden.

      • BHKW-Infozentrum sagt:

        Wenn man dieselbe Informations-Basis hat – nämlich die Pressemeldung der EHE – und die beiden größten deutschen Vertriebler anruft, dann sollten wohl dieselben Inhalte raus kommen.
        Die Mitteilung des B.KWK wurde im gleich mehrfach als solche gekennzeichnet.

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