Sinkender KWK-Index und Wegfall der Alternative buzzn

Logo der EEX (Geschütztes Logo: 2011 European Energy Exchange AG)BHKW-Betreiber die entsprechend dem „üblichen Preis“ des KWK-Gesetzes einspeisen, erhalten wieder weniger Vergütung. Der für die Einspeisung von Strom in das öffentliche Netz für die meisten BHKW-Betreiber in diesem Quartal maßgebliche KWK-Index der Strombörse EEX in Leipzig notierte für das vierte Quartal des letzten Jahres mit 41,37 Euro je Megawattstunde (MWh) um rund 5 Prozent niedriger als im vorangegangenen Quartal. Passend zum Preisrückgang an der Strombörse verschlechterte das auf KWK-Stromhandel spezialisierte Unternehmen buzzn seine Konditionen für KWK-Einspeiser, so dass auch diese Alternative für viele BHKW-Betreiber wegbricht.

KWK-Index / EEX-Baseload bis Q4/2012 (Grafik: BHKW-Infothek)

KWK-Index / EEX-Baseload bis Q4/2012 (Grafik: BHKW-Infothek)

Der übliche Preis für die Einspeisung in das öffentliche Netz aus BHKW, welcher auch als EEX-Baseload bezeichnet wird, beträgt im ersten Quartal dieses Jahres folglich 4,137 Cent je Kilowattstunde (kWh), sofern keine gesonderte Vereinbarung mit einem Stromhändler oder dem Netzbetreiber geschlossen wurde. Der KWK-Index der Strombörse EEX notiert damit um 0,215 Cent je Kilowattstunde niedriger als im Vorquartal Q3/2012 und setzt damit den kurzzeitig gestoppten Abwärtstrend fort. Verglichen mit dem dritten Quartal im Vorjahr 2011 notierte der Preis sogar um etwa 0,854 Cent und somit etwa 17 Prozent je Kilowattstunde niedriger.

KWK-Index vonFür Einspeisung inCent je kWh
Q4/2012Q1/20134,137
Q3/2012Q4/20124,352
Q2/2012Q3/20124,039
Q1/2012Q2/20124,510
Q4/2011Q1/20124,991

Alternativ zum Verkauf an den örtlichen Verteilnetzbetreiber (VNB) verkaufen einige BHKW-Betreiber ihren Überschussstrom mittlerweile auch an andere Stromhändler. Wie beim Strombezug ist aufgrund der Liberalisierung im Strommarkt auch bei der Einspeisung ein Wechsel möglich. Das Unternehmen buzzn warb anfänglich mit attraktiven Konditionen um die Gunst der BHKW-Betreiber.

Seit einiger Zeit beträgt der von der buzzn GmbH gezahlte Preis pro Kilowattstunde jedoch nur noch etwa einen Cent mehr als der jeweils aktuelle KWK-Index. Zudem berechnet buzzn für den Einspeisevertrag eine monatliche Grundgebühr, die in vielen Fällen von der nur marginal höheren Einspeisevergütung nicht refinanziert werden kann. Somit war diese Alternative für BHKW-Betreiber bisher ohnehin nur ab Einspeisemengen von mehr als 10.000 kWh im Jahr interessant.

Ende Dezember eröffnete der Stromhändler buzzn seinen KWK-Einspeisern in einem Rundschreiben überraschend, „ab sofort das Stromgeben fest mit dem Stromnehmen zu koppeln. Mit anderen Worten: Es kann nur Stromgeber sein, wer gleichzeitig auch Stromnehmer ist bzw. Familie, Freunde und Bekannte für buzzn gewinnt“.

KWK-Einspeisern, die nicht mit ihrem Strombezug zu buzzn wechseln oder alternativ Dritte zu einem in den allermeisten Fällen ungünstigen Wechsel bewegen und somit Neukundengewinnung betreiben, droht das Unternehmen im gleichen Schreiben unverhohlen mit der Kündigung. Aufgrund des vergleichsweise hohen Strompreises für Bezugsstrom bei buzzn von derzeit 26,50 Cent pro Kilowattstunde in Verbindung mit einer doppelten Grundgebühr für die Einspeisung und den Bezug von Strom erübrigt sich diese Alternative für die allermeisten BHKW-Betreiber.

Auf Kritik an diesem neuen Geschäftsgebaren reagierte die buzzn GmbH überempfindlich. Ein KWK-Einspeiser, der im BHKW-Diskussionsforum sein Missfallen über die neue Geschäftspolitik von buzzn zum Ausdruck brachte, wurde kurzerhand telefonisch über die Kündigung zum nächstmöglichen Termin informiert.

Update vom 06.02.2014
Wie der Geschäftsführer von buzzn gegenüber der BHKW-Infothek mitteilt, habe er die von einem Mitarbeiter des Unternehmens telefonisch ausgesprochene Kündigung umgehend zurückgenommen und ein klärendes Gespräch mit dem betroffenem BHKW-Betreiber geführt. Darüber hinaus habe buzzn seine Strategie dahingehend überdacht, dass BHKW-Einspeiser doch nicht zwangsweise auch ihren Zusatz- und Reservestrom von buzzn beziehen müssen. Wie der BHKW-Betreiber bestätigte, sei er auch heute noch Einspeiser bei buzzn, um seinen „wie eine Behörde agierenden Verteilnetzbetreiber zu ärgern“, auch wenn er mit den aktuellen Konditionen keinen wesentlichen wirtschaftlichen Vorteil durch den Stromverkauf an das Unternehmen buzzn sehe. Ihm sei es jedoch wichtig, einen kleinen Direktvermarkter zu unterstützen.

Nachrichten: Weitere Meldungen zum Thema Energiepreise
Artikel: Einsparungen und Einnahmen mit stromerzeugenden Heizungen
(Titelgrafik: Geschütztes Logo der European Energy Exchange AG)

Ein Artikel von Gunnar Micheel

 

3 Responses to Sinkender KWK-Index und Wegfall der Alternative buzzn

  1. Kraftwerker sagt:

    Gut wenn man nicht jede neue Masche ausprobiert, sondern abwartet wie sich Unternehmen entwickeln. Mir blieb die Erfahrung Buzzn genau wie Teldafax und Flexstrom erspart 😀 Wer dem letzten Cent hinterherjagt fällt auf die Nase!

  2. Energiefuchs sagt:

    Wichtiger als günstiger Stromverkauf wäre für uns die Möglichkeit einen günstigen Anbieter für den Reservestrom (Zweirichtungszähler wg. BHKW) zu finden, der bereit ist bei dieser Konstellation zu liefern. Weder die Bundesnetzagentur (aus Gleichbehandlungsgründen), noch die Vergleichsportale konnten uns weiterhelfen. Die von uns gelesenen AGBs schließen die Belieferung aus und Absagen zum Stromanbieterwechsel haben wir auch schon bekommen. Ob ein Umbau des Zählers hilft? Das Standardlastprofil ändert sich dadurch nicht! Müssen wir wirklich den teuren Grundversorgerstrom beziehen?

    • BHKW-Infothek sagt:

      Hallo Energiefuchs,

      die freie Lieferantenwahl bleibt natürlich auch mit einem 2-Ri-Zähler bestehen. Als diese Zähler vor Jahren „neu“ waren, gab es vereinzelt Probleme. Wichtig ist für Euch, heraus zu bekommen, welche Zählernummer Euer Bezugszählwerk hat. Hier muss Euch im Zweifel der für den Messstellenbetrieb grundzuständige Verteilnetzbetreiber Auskunft geben. Unter Angabe dieser Nummer ist der Wechsel des Lieferanten dann ganz einfach möglich. Alternativ könnt Ihr natürlich auch einen eigenen Einspeisezähler setzen, so dass nur noch der Strombezug vom Netzbetreiber mit einem rücklaufgesperrten Ein-Richtungs-Zähler erfasst wird. Unabhängig davon, war der Wechsel bei uns zu Hamburg Energie, zu den Stadtwerken Flensburg und schließlich zu den EWS Schönau kein Problem.

      Viele Grüße,
      /lfs

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.