Standardlösung für die BHKW-Abrechnungsproblematik

Christian Denzel / ASEWGemeinsam sprechen sich die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung im VKU (ASEW), der Bundesverband für Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK) und der Verband für Wärmelieferung (VfW) für eine Standardisierung bei der Drittstrombelieferung mittels bilanzieller Durchleitung aus. Als Vorlage stellten die Verbände kürzlich ein Formblatt vor, das zur einfachen Anmeldung eines Drittstromanbieters genutzt werden kann, wie Christian Denzel erläutert.

Grundsätzlich gilt: Vermarktet ein BHKW-Betreiber in einem Mehrfamilienhaus neben der Wärme auch den Strom an die Mieter, gestaltet sich die Wirtschaftlichkeit der Anlage zum Positiven. Zwar ist die Einspeisung des erzeugten BHKW-Stroms in das öffentliche Stromnetz die einfachere Variante, bringt aber auch weniger Ertrag.

Gerade einmal um die elf Cent lassen sich mit der Einspeisung erwirtschaften. Darin enthalten sind der KWK-Zuschlag von 5,41 Cent pro Kilowattstunde, je nach Region eine Vergütung von etwa einem Cent pro Kilowattstunde für vermiedene Netznutzungsentgelte sowie der durchschnittliche Strompreis des letzten Quartals an der Leipziger Strombörse. Für das 1. Quartal 2013 betrug dieser Preis 4,227 Cent pro Kilowattstunde. Zudem erstattet das örtliche Hauptzollamt unter bestimmten Voraussetzungen die Energiesteuer für den gesamten im BHKW vebrauchten Brennstoff.

Weitaus lukrativer ist hingegen der Verkauf des Stroms direkt an die Mieter. Auch hierbei wird der vom BHKW erzeugte Strom mit 5,41 Cent pro Kilowattstunde vergütet. Dazu kommt der vom BHKW-Betreiber angesetzte Preis pro Kilowattstunde. Aufgrund der räumlichen Nähe der KWK-Anlage zu den Stromabnehmern ist der Strom von der Stromsteuer befreit. Im Ergebnis kann der BHKW-Betreiber einen höheren Ertrag erzielen und der Stromabnehmer (Verbraucher) kann günstigeren Strom beziehen als aus dem öffentlichen Netz. Allerdings muss der BHKW-Betreiber als Stromlieferant unter Umständen die EEG-Umlage abführen, wenn er Strom an Dritte liefert.

Elektrische Einbindung mit Zweirichtungszähler

Elektrische Einbindung mit einem Zwei-Richtungs-Zähler
(Grafik: BHKW-Infothek)

Bei der Installation einer stromerzeugenden Heizung in einem Mehrfamilienhaus wird daher typischerweise nach dem Hausanschlusskasten ein Zwei-Richtungs-Zähler installiert und die bisher vom Verteilnetzbetreiber – der für den Messstellenbetrieb in seinem Netzgebiet grundzuständig ist – gestellten Verbrauchszähler für die Wohnungen gegen Zähler des BHKW-Betreibers ausgetauscht.

Dass der BHKW-Betreiber mit diesem Schritt automatisch auch die Versorgung aller Mieter in einem Mehrfamilienhaus übernimmt, ist jedoch nicht immer gegeben. In diesem Fall muss eine bilanzielle Durchleitung durch die Kundenanlage gewährleistet werden, damit die Wahlfreiheit der Mieter hinsichtlich ihres Stromlieferanten gewahrt bleibt.

Der BHKW-Betreiber wird jedoch gegenüber dem Netzbetreiber automatisch zum Ansprechpartner für die Belange aller im Haus wohnenden Parteien, da diese aufgrund der betreibereigenen Stromzähler nicht mehr einzeln in der Datenbank des Netzbetreibers geführt werden. Der BHKW-Betreiber ist daher auch für die Anmeldung eines Mieters bei einem Drittstromanbieter zuständig. Das von den Verbänden vorgeschlagene und der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung stehende Formblatt für diese Anmeldung enthält alle für den folgenden GPKE-Geschäftsprozess notwendigen Daten, die zwischen Netzbetreiber und Kundenanlagenbetreiber auszutauschen sind.

Download: Formblatt zur Anmeldung einer Drittstrombelieferung (PDF)

Ein Gastartikel von Dipl.-Ing. Christian Denzel,
Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung.

 

15 Responses to Standardlösung für die BHKW-Abrechnungsproblematik

  1. Reinhard Grüger sagt:

    Wäre hier nicht eine einfachere Lösung, um 3.-Anbieterstrom zu ermöglichen, einen wohnungseigenen Zähler direkt am Verteilstromnetz, wie der Zweiwegezähler, anzuschließen? Warum sollte das nicht erlaubt sein?

  2. Reinhard Grüger sagt:

    Wäre hier nicht eine einfachere Lösung, um 3.-Anbieterstrom zu ermöglichen, einen wohnungseigenen Zähler direkt am Verteilstromnetz, wie der Zweiwegezähler, anzuschließen (rote Linie)? Warum sollte das nicht erlaubt sein? Den Strom, den der Mieter mit 3.-Anbietervertrag bezieht mus nicht direkt aus dem BHKW eingespeist werden, der Mieter will ja ausdrücklich den Strom nicht aus dem Haus und dem vertraglichen Einspeiser!

    • BHKW-Infothek sagt:

      Hallo Herr Grüger! Natürlich können drittversorgte Letztverbraucher auch physikalisch umgeklemmt werden. Dann ist jedoch mit jedem Wechsel zwischen Eigenstrom aus dem BHKW und einer externen Drittversorgung die Verkabelung durch einen Elektriker zu ändern. Je nach Struktur der Hausverkabelung kann das sehr aufwändig und teuer sein. Daher hat sich in den letzten Jahren die rein bilanzielle Durchleitung vom Schreibtisch aus in der Praxis durchgesetzt. /lfs

  3. Reinhard Grüger sagt:

    Frage zur bilanziellen „Durchleitung“ von 3.-Anbieter-Strom: basiert diese rein auf Erfassung verschiedener Zählerstände oder muss hier (im Beispiel obige Grafik) technisch nachgerüstet werden?
    Meine Vorstellung (Schreibtischlösung) davon ist:
    Ablesen des Wohnungszählers (3.Anb) x kWh geht an den 3.-Anbieter
    Ablesen des Betreiberzählers (Z3) y kWh,
    zur Errechnung des Betreiber-Strom-Anteils Whg z kWh, muss dann dem
    EinspeiseZ2 zugerechnet werden.
    Falls hier doch technisch nachgerüstet werden müsste, können Sie technische Begriffe für einen entsprechenden Anlagenumbau liefern?
    Vielen Dank!

  4. Silvia Bogatzki sagt:

    Im Ergebnis kann der BHKW-Betreiber einen höheren Ertrag erzielen und der Stromabnehmer (Verbraucher) kann günstigeren Strom beziehen als aus dem öffentlichen Netz.

    Zu dieser Aussage möchte ich anmerken, dass ich Kunde eines BHKW-Betreibers war. Von diesem wurde mir der gesamte Stromverbrauch mit der vollen Stromsteuer berechnet. Auf meine Nachfragen wurde mit mehrmals die Auskunft erteilt, dass ich auf den gesamten Strom 2,05 Cent Stromsteuer zahlen muss. Abgeführt hat der Betreiber allerdings nur die Stromsteuer für den eingekauften Strom. Letztlich wurde dies sogar von der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz als erlaubter Wettbewerb und strafrechtlich nicht relevant angesehen.

    • BHKW-Infothek sagt:

      Hallo Frau Bogatzki, solch ein rechtswidriges Verhalten im Einzelfall ist natürlich bedauerlich, hat jedoch keinen Bezug zu unserem Artikel, weshalb wir Ihnen hier im Kommentarbereich nicht weiterhelfen können. /lfs

  5. Kaenders sagt:

    Steuerschuldner der Stromsteuer ist ausweislich des Stromsteuergesetzes der Versorger (hier also der KWK-Betreiber).
    Da der Strom aus KWK-Anlagen grundsätzlich (es gibt eine Menge Ausnahmen) von der Stromsteuer befreit ist, kann dem KWK-Anlagenbetreiber aber maximal sein Versäumnis der Anmeldung beim Hauptzollamt vorgeworfen werden.
    Ob der Versorger (Stadtwerke oder KWK-Betreiber) die Stromsteuer auf seinen Rechnungen ausweist, ist nicht entscheident.
    Es gilt der vereinbarte Leistungspreis. Ob der Versorger die auf den Rechnungen ausgewiesen Stromsteuer abführt oder nicht.

  6. Werner Jürges sagt:

    Guten Tag,
    gibt es Ihres Wissens Firmen, die sich um die reine Verwaltung des Wärme- und Stromhandels bei Betreiben eines BHKW in einer WEG kümmern? Also den Papierkram erledigen? Kein Contracting, nur Verwaltung.

    Grüße

  7. Ralf Brodmann sagt:

    Ist es möglich den in einem Gebäude A erzeugten Strom auch an Dritte in einem Gebäude B zu verkaufen?

  8. Jürgen Middelhoff sagt:

    Ich möchte die Frage noch erweitern.
    Ist es möglich einen Teil des BHKW Stroms von Standort A zu einem ca 1km entfernten Verbrauchsstelle des BHKW Betreibers zu leiten und dafür eine Durchleitungsgebühr an den Netzbetreiber zu entrichten?

  9. Frank Bräuniger sagt:

    Wenn sich einer der Mieter für einen anderen Stromanbieter entscheidet (Drittstrombelieferung) und daher nicht den vergünstigten Strom vom BHKW bezieht, muss er doch auch weniger für den Rohstoffverbrauch und die Wartung des BHKW zahlen (nur noch den Wärmebedarf für seine Wohnung).
    Lässt sich das rechtlich sicher berechnen ?

  10. I.Hanisch sagt:

    Ich habe folgende Frage : unser BHKW ist in einem anderen Gebäude installiert. Wir haben in unserem Haus, 18 Wohnungen,keinen direkten Eingangszähler sondern unsere Heizung wird direkt am Ausgangszähler am BHKW im anderen Haus gemessen und dann für jede Wohnung nach qm abgerechnet. Unsere Heizkosten sind viel zu hoch. Muß denn nicht in jedem Haus, es sind 3 Wohnblöcke, ein direkter Eingangszähler für die 3 W-Blöcke installiert sein. Ich habe gehört dass dies Vorschrift ist.
    Gerne erwart ich eine Antwort.
    I.Hanisch

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