ISH15: Elcore beginnt mit offensiver Vermarktung von Brennstoffzellen und zeigt komplette Heizsysteme

ISH 2015: Elcore 2400 Systempaket "Max"Ohne große Ankündigungen hat der Brennstoffzellenhersteller Elcore aus München schon vor Monaten mit dem freien Vertrieb der zweiten Generation seiner „2400“ genannten Brennstoffzelle begonnen. Auf der ISH 2015 schöpften die Münchener dafür aus dem Vollen: Neben einem verhältnismäßig großen Messestand machte Elcore auch mit ungewöhnlich markiger Reklame auf das jetzt erhältliche Brennstoffzellensystem aufmerksam. Ergänzend zur eigentlichen Brennstoffzelle wurden auch die neuen Heizzentralen „Elcore Max“ mit integrierter Spitzenlasttherme ausgestellt und die Preise für Vollwartungsverträge bekanntgegeben.


ISH 2015: Vorstellung der Elcore 2400 und passender Systempakete

Der Verkauf beginnt
Ob die Elcore 2400 tatsächlich wie in großen Lettern beworben „das Effizienteste Energiesystem der Welt“ ist und in jedem Fall zu „1.300 Euro Einsparung pro Jahr“ führt, können wir nicht abschließend beantworten, denn wir haben weder „im Lotto gewonnen“, noch „eine Elcore im Keller“ – was dem Anbieter zu Folge wohl der größere Gewinn wäre. Fest steht aber: An Selbstbewusstsein scheint es der Marketingabteilung von Elcore nicht zu mangeln. Elcore-Geschäftsführer Dr. Manfred Steffener selbst wirkte im Gespräch mit der BHKW-Infothek hingegen bodenständig und gab bekannt, dass man schon im November 2014 langsam mit dem Verkauf der zweiten Gerätegeneration begonnen habe. Vorausgegangen war diesem Schritt bereits ein Feldtest der im Rahmen der Hannover Messe 2012 erstmals öffentlich vorgestellten Elcore 2400 sowie eine Teilnahme am Feldtest ene.field mit 135 Geräten aber auch Testprojekte zusammen mit Energieversorgern wie der Thüga-Gruppe. Eigentlich wurde im April 2012 schon für 2013 ein freier Verkauf in größeren Stückzahlen angekündigt, von dieser sehr schnellen Markteinführung hatte sich das Unternehmen aber nur wenige Monate später wieder distanziert und stattdessen offensichtlich mehr Energie in die Entwicklung gesteckt.

ISH 2015: Klotzen statt Kleckern war offensichtlich das Motto bei Elcore

ISH 2015: Klotzen statt Kleckern war offensichtlich das Motto bei Elcore

Zweite Brennstoffzellengeneration
Ebenfalls ohne große Ankündigung hat Elcore seine Hochtemperatur-Protonen-Austausch-Membran-Brennstoffzelle (HT-PEM) überarbeitet. An Stelle von 600 Watt thermischer Nutzleistung stellt die zweite Brennstoffzellengeneration jetzt 700 Watt Heizleistung bereit, was zu einer Verbesserung des Gesamtwirkungsgrades von 98 auf nunmehr 104 Prozent bezogen auf den Heizwert Hi von Erdgas führt. Die elektrische Leistung von nur 300 Watt ist gleichgeblieben. Elcore selbst sieht seine Brennstoffzelle als Dauerläufer zur Grundlastversorgung, der trotz geringer Leistung eine Strombezugssubstituierung bei Eigenheimen von bis zu 70 Prozent erreichen soll. Andere Anbieter wie Viessmann mit der Brennstoffzelle von Panasonic bieten mit 750 Watt zwar mehr Leistung, könnten aber wegen fehlender Modulationsfähigkeit im Sommer zu viel Wärme erzeugen. Geschickter geht an dieser Stelle Toshiba vor, deren in Deutschland über SeneTec ab 2016 angebotene Brennstoffzelle zwischen 250 und 700 Watt Leistung modulieren kann und zudem eine Lebenserwartung von 80.000 Stunden vorzuweisen hat. Diese Werte werden auch von der zweiten Generation aus dem Hause Elcore hingegen noch nicht erreicht. Derzeit gehe man von einem Austausch des Stacks im Rahmen des Vollwartungsangebotes aus, strebe mittelfristig – mit kommenden Stack-Generationen – aber eine Lebensdauer von 15 Jahren an, verspricht Dr. Steffener.

ISH 2015: Kernstück der Elcore 2400 ist ein HT-PEM-Brennstoffzellenstapel

ISH 2015: Kernstück der Elcore 2400 ist ein HT-PEM-Brennstoffzellenstapel

Abgestimmte Komplettsysteme
Nachdem der Vertrieb und die Schulung von Handwerkspartnern in den letzten Monaten angelaufen ist, wurden auf der ISH unter dem Namen „Elcore Max“ Systempakete bestehend aus Brennwerttherme, Pufferspeicher, Pumpengruppen für bis zu zwei Heizkreise und eine Frischwasserstation in einem kompakten Standgehäuse vorgestellt. Die im Set enthaltene Brennwerttherme vom Typ Solo20 mit einer Spitzenleistung von 21 kW kann auch größere Ein- oder Zweifamilienhäuser versorgen und stammt aus der „BOY III“ Baureihe von Bruns Heiztechnik. Ein 500 Liter fassender Pufferspeicher speist bis zu zwei im Montagerahmen untergebrachte Heizkreisgruppen mit Mischern und Pumpen sowie eine Frischwasserstation zur Warmwasserbereitstellung. Voraussetzung für den Betrieb der Brennstoffzelle sind auch bei Verwendung der Systempakete geringe Rücklauftemperaturen des Heizsystems von dauerhaft maximal 45 °C, wobei andererseits Vorlauftemperaturen zur Warmwasserbereitung von bis zu 75 °C problemlos realisierbar sein sollen. Unabhängig von den jetzt neu vorgestellten Systempaketen lässt sich die Elcore 2400 auch weiterhin mit vielen anderen Brennwertthermen kaskadieren, so dass ein gemeinsamer Abgasstrang genutzt werden kann. Hier ist Elcore weiter als beispielsweise Vaillant mit dem EcoPower 1.0, dessen Motoreinheit nach Vorgaben von Vaillant zwingend einen eigenen Abgasstrang benötigt.

ISH 2015: Kleine Therme, große Brennstoffzelle in einer kompakten Einheit mit Puffer

ISH 2015: Kleine Therme, große Brennstoffzelle in einer kompakten Einheit

Preise und Vollwartungsverträge
Angekündigt hatte Elcore noch im letzten Jahr einen Zielpreis von unter 10.000 Euro für die Einführung der Elcore 2400. Auf der ISH warb Elcore zwar mit konkreten Einsparzielen und Fördersummen, Endkundenlistenpreise wurden hingegen nicht deutlich formuliert. Etwa 11.000 Euro mit Steuer solle eine Elcore 2400 den Endkunden kosten – dies entspräche einem Nettopreis von etwa 9.500 Euro und damit dem erklärten Ziel, unter 10.000 Euro Einführungspreis zu bleiben. Für die Systempakte sollen die Preise je nach Ausstattung zwischen 18.000 und knapp unter 20.000 Euro brutto rangieren. Tags darauf lag der vom Standpersonal kommunizierte Richtpreis für die Brennstoffzelle hingegen bei 10.500 Euro und die Systempakete ab 18.000 Euro – diesmal jedoch jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer. Entscheidend für Endkunden wird jedoch in jedem Fall der Preis sein, den das zwischengeschaltete Handwerk letztendlich im Einzelfall verlangt und an dieser Stelle schwanken die verlangten Margen zuweilen leider stark. Für den Vollwartungsvertrag mit Funktionsgarantie betrage der Preis rund 250 Euro im Jahr, was in etwa dem Preisniveau entspricht, das Viessmann mit der Vitovalor gesetzt hat.

ISH 2015: Elcore Systempaket "Max" mit Frischwasserstation und Pumpengruppen

ISH 2015: Elcore Systempaket „Max“ mit Frischwasserstation und Pumpengruppen

Hohe Förderung
Aufgrund der hohen Effizienz winken Käufern einer Elcore 2400 bundesweit rund 3.500 Euro Fördermittel entsprechend der zum 1. Januar 2015 novellierten Richtlinie zur Förderung von KWK-Anlagen bis 20 kWel (Mini-KWK-Impulsprogramm), da die Elcore 2400 auch die hohen Anforderungen für die Bonusförderungen “Wärmeeffizienz” und “Stromeffizienz” erfüllt. Darüber hinaus bieten einige Bundesländer besondere Förderungen für Brennstoffzellen an. In Baden-Württemberg läuft beispielsweise noch bis zum 31. März ein Förderprogramm mit Zuschüssen von bis zu 2.400 Euro. (lfs)

Mehr: Meldungen der BHKW-Infothek zu den Brennstoffzellen von Elcore

 

8 Kommentare zu ISH15: Elcore beginnt mit offensiver Vermarktung von Brennstoffzellen und zeigt komplette Heizsysteme

  1. Niendörper sagt:

    Preislich ist die 2400 aber eher interessant, wenn man schon eine Brennwerttherme und Warmwasserbereitung hat. Bei den Systempakten ist Elcore nämlich fast so teuer wie Viessmann (https://www.bhkw-infothek.de/?p=22418), die meiner Meinung nach die bessere Brennstoffzelle haben – weil langzeiterprobt und mehr Leistung.

  2. Hans_Dampf sagt:

    Vor allem aber hat Viessmann genug Geld im Kreuz, um eventuell auftretende Probleme zu beseitigen bzw. die Kisten, wenn sie nichts taugen, auch zurück zu nehmen…

    Die 2013er Bilanz von elcore, die jeder im Bundesanzeiger sehen kann, trägt nicht dazu bei, dass ich jetzt losrenne, meinen Kunden die Dinger verkaufe und dann als Gewährleistungsgeber am Ende selber den Laden abschließen darf…

    Ich sage nur CFC. Whispergen, Sunmachine, Proenvis… hab ich jemanden vergessen???

  3. Tom sagt:

    Mir gehts ähnlich… technologisch finde ich die Elcore spannend, und auch das man mal eine kleine deutsche Technologieschmiede fördert, macht Sinn. Aber a) ist der Preis für die Komplettsets zu hoch, und b) würde ich im Falle des Falles einer Viessmann einen längeren Atem zutrauen…

  4. Pingback: Vorschlag aus dem Energieministerium zur KWKG-Novelle: Keine Zukunft für Brennstoffzellen und Mikro-BHKW | BHKW-Infothek

  5. Mathias sagt:

    Liebe Leute,

    was nützt denn der vermeintlich wichtige „längere Atem“ von Viessmann, wenn das Gerät eine eindeutig zu hohe Einbauhöhe, einen zu kleinen Pufferspeicher, eine nicht vorhandene Kompatiblität mit anderen Geräten sowie im Vergleich zu Elcore unverhältnismäßig hohe Einbau und Wartungskosten aufweist? Die Einbindung von Photovoltaik ist beim Viessmann Gerät ebenso nicht möglich.

  6. Pingback: Neues Förderprogramm für Brennstoffzellen-BHKW | BHKW-Infothek

  7. Gosselaar sagt:

    Finde das Thema generell sehr interessant, aber für unser 1999’er Haus mit 139qm und Gasverbrauch 16500kwh und Stromverbrauch von 5700kwh (ich weiß, ist etwas hoch für 3 Personen) ist die Viessmann Vitavalor 300-P in ihrer thermischen Leistung mit 1000W überdimensioniert. Wohin mit der ganzen Wärme ? Erst recht wenn ein nur 170L Warmwasserspeicher eingebaut ist!?

    Was meinen Sie dazu ?

    • BHKW-Infothek sagt:

      Hallo Gosselaar, die Wärmeabnahme ist etwas gering für die Vitovalor – aber das sollten Sie sich mal von einem Anbieter durchrechnen lassen und die entsprechenden Ergebnisse im BHKW-Diskussionsforum zur Bewertung einstellen. Wichtig ist auch, dass die Rücklauftemperaturen niedrig sind. Mehr als 40°C wird nicht empfohlen und um solche Systemtemperaturen zu erreichen, bedarf es Flächenheizkörpern wie z.B. eine Fußbodenheizung. Effiziente Grüße /lfs

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