Schwere Zeiten: Insolvenzen von Simple Energie, Ceramic Fuel Cells und intelli sowie Probleme mit dem Wolf GTK-4 von Kirsch

Gleich mehrere Anbieter von Mini- und Mikro-BHKW durchkreuzen momentan unruhiges Fahrwasser: Während bei der Ceramic Fuel Cells GmbH die Investoren in der 2. Bieterphase des vorläufigen Insolvenzverfahrens Schlange stehen sollen, scheint das Insolvenzverfahren der intelli production GmbH und damit die Zukunft des Intelli-Heimkraftwerks vor dem Aus zu stehen. Neu in den Insolvenzpoker mit ungewisser Zukunft eingestiegen ist kürzlich die Simple Energie GmbH. Aber auch bei Kirsch HomeEnergy scheint es nicht rund zu laufen: Wolf Heiztechnik hat den Vertrieb des von Kirsch produzierten GTK-4 wegen massiver Probleme vorläufig gestoppt und nachdem Kirsch überraschend erst der ISH in Frankfurt sowie diese Woche auch der Hannover Messe ferngeblieben ist, brodelte auf den Messen die Gerüchteküche.

Wolf GTK 4 auf der SHK Essen 2014

GTK 4 auf der SHK Essen 2014

Wo steht Kirsch HomeEnergy?
Bereits im letzten Jahr verließen mehrere bekannte Mitarbeiter das Unternehmen Kirsch, darunter auch der Vertriebsleiter. Nachdem Kirsch HomeEnergy und das von Kirsch für Wolf Heiztechnik produzierte GTK-4 – eine Abwandlung des Kirsch micro mit Gehäuse im Wolf-Design – durch die BHKW-Infothek auf der ISH in Frankfurt nicht mehr gesichtet wurde, verließ vor wenigen Wochen überraschend auch der bisherige Geschäftsführer Ralf Stüber die Kirsch GmbH. Selbst auf der Hannover Messe, wo Kirsch zuletzt mit einem verhältnismäßig großen Stand vertreten war, fanden wir diese Woche keine Spur vom BHKW-Hersteller aus Trier. Der BHKW-Hersteller, der dieses Jahr auf der üblichen Fläche von Kirsch ausstellt, gab gegenüber der BHKW-Infothek zwar an, die Fläche kurzfristig „abgekauft“ zu haben, wollte sich aber zu den Vorgängen im Unternehmen Kirsch HomeEnergy nicht offiziell äußern.

Kirsch auf Tauchstation
Bei vielen anderen Ausstellern aus der BHKW-Branche auf der diese Woche stattfindenden Hannover Messe war Kirsch hingegen ein heißes Diskussionsthema und Gegenstand mehrerer Gerüchte. Klare Aussagen erhielt die BHKW-Infothek jedoch nur von Wolf Heiztechnik: „Der Vertrieb des GTK-4 ist aufgrund von Problemen seit Anfang März gestoppt und die Zukunft des Produktes ist ungewiss“, äußerten sich zwei Vertriebsmitarbeiter von Wolf übereinstimmend. Kirsch selbst konnte diese Woche gegenüber der BHKW-Infothek keine Aussage zur aktuellen Lage des Unternehmens treffen: „Die Geschäftsführung und verantwortliche Mitarbeiter aus dem Vertrieb sind diese Woche nicht mehr zu erreichen“, teilte eine Mitarbeiterin gegenüber der BHKW-Infothek abschließend mit.

Das Simple Energie SE-12/28i auf der Hannover Messe 2012 (Bild: BHKW-Infothek)

Simple Energie SE-12/28i auf der HMI 2012

Simple Energie meldet Insolvenz an
Simple Energie hat die Karten klar auf den Tisch gelegt und einen Eigenantrag auf Insolvenzeröffnung beim Insolvenzgericht Ravensburg gestellt. „Die Produktion unserer BHKW wurde zwischenzeitlich eingestellt und die Mietverträge für die Geschäftsräume in Vahingen gekündigt. Wir hoffen jedoch kurzfristig einen anderen Investor oder Partner aus der Branche zu finden und freuen uns über entsprechende Kontakte“, beschreibt Simple Energie Geschäftsführer Michael Krings die aktuelle Situation seines Unternehmens gegenüber der BHKW-Infothek. Wichtig sei es ihm insbesondere für die rund 70 Betreiber eines BHKW von Simple Energie „Lösungen zu finden, die unseren Kunden auch zukünftig einen sicheren Betrieb ihrer Maschinen ermöglichen. Wir stehlen uns nicht aus der Situation, sondern wollen versuchen aktiv eine Lösung zu finden“, verspricht Krings.

Schwierigkeiten auch im Insolvenzverfahren der Simple Energie
„Prinzipiell war die Unternehmensentwicklung bis zuletzt sehr positiv. Zusätzlich zu den beiden bereits seit längerem angebotenen BHKW mit 7,5 sowie 12 kW Leistung haben wir eine netzersatzfähige Anlage mit 48 kW elektrischer Leistung entwickelt und kürzlich die ersten Anlagen dieses Typs ausgeliefert“, berichtet Simple Energie Geschäftsführer Michael Krings im Gespräch mit der BHKW-Infothek. Die Entwicklung dieser Anlage habe jedoch erhebliche Investitionen erfordert und ein Investor, dessen Finanzspritze nach länger andauernden Verhandlungen fest einkalkuliert gewesen sei, habe kurzfristig einen Rückzieher gemacht. Da „die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens aufgrund dieser Tatsachen nicht mehr gegeben“ war, habe sich die Geschäftsführung gezwungen gesehen einen Eigenantrag auf Insolvenzeröffnung zu stellen, so Krings. Aufgrund dieses Antrags hat das Insolvenzgericht Ravensburg am 19. März 2015 unter dem Aktenzeichen „4 IN 150/15“ die Bestellung von Rechtsanwalt Andreas Straub zum vorläufigen Insolvenzverwalter sowie die Anordnung vorläufiger Sicherungsmaßnahmen beschlossen. Mit einem neuerlichen Beschluss vom 14. April hat sich das Insolvenzgericht Ravensburg jedoch für örtlich unzuständig erklärt und die Sicherungsmaßnahmen bis zur weiteren Bearbeitung durch das nach Ansicht des Insolvenzgerichts Ravensburg örtlich zuständigen Gerichts in Duisburg wieder aufgehoben.

CFCL BlueGen auf der Hannover Messe 2011 (Bild: BHKW-Infothek)

BlueGen auf der HMI 2011

Positives von Ceramic Fuel Cells
Nachdem die australische “Ceramic Fuel Cells Limited” bereits am 2. März bekanntgab insolvent zu sein oder kurz davor stehe zahlungsunfähig zu werden, hatte auch die deutsche Ceramic Fuel Cells GmbH aus Heinsberg beim Amtsgericht Aachen die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. Daraufhin hatte das Insolvenzgericht Aachen mit Beschluss vom 4. März 2015 Rechtsanwalt Jörg Zumbaum zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Ceramic Fuel Cells GmbH bestellt (wir berichteten) und Sicherungsmaßnahmen angeordnet (Aktenzeichen: 92 IN 47/15). Wie die Kanzlei des zuständigen Insolvenzverwalters gegenüber der BHKW-Infothek mitteilte, laufe nach dem Vorliegen mehrerer substanzieller aber gleichwohl unverbindlicher Angebote durch potenzielle Investoren derzeit die zweite Phase eines Bieterverfahrens mit Due-Diligence-Prüfungen durch die Interessenten. Die aktuelle Phase des Verfahrens könne voraussichtlich bis Ende Mai abgeschlossen werden. Angestrebt werde eine gemeinsame Lösung sowohl für den deutschen Fertigungsstandort des BlueGen in Heinsberg als auch für die Muttergesellschaft in Australien.

Das Intelli-Heimkraftwerk auf der Hannover Messe 2012 (Foto: BHKW-Infothek)

Intelli-Heimkraftwerk auf der HMI 2012

Insolvenz der intelli production GmbH
Auch beim BHKW-Hersteller intelli läuft es nicht rund: Der Vertrieb des Intelli-Heimkraftwerkes ruht bereits seit längerem, nachdem das Insolvenzgericht Magdeburg am 12. Juni 2013 unter dem Aktenzeichen „340 IN 420/13 (371)“ die vorläufige Verwaltung angeordnet und am 21. Juni 2013 als Sicherungsmaßnahme ein allgemeines Verfügungsverbot erlassen hatte. Am 2. August 2013 wurde schließlich das noch immer andauernde Insolvenzverfahren über das Vermögen der intelli production GmbH eröffnet und Rechtsanwalt Dr. Rainer M. Bähr zum Insolvenzverwalter bestellt. Trotz erheblicher Verbesserungen am Gerät wie einem gesteigerten elektrischen Wirkungsgrad des selbst entwickelten BHKW-Motors, einer grundlegend verbesserten Softwareversion und einer neuen Flüssiggasvariante des Heimkraftwerkes konnte kein Investor für das Unternehmen gefunden werden.

Intelli-Heimkraftwerk wohl vor dem Aus
Insolvenzverwalter Dr. Bähr attestiert dem Unternehmen nach dem nunmehr rund zwei Jahre andauernden Verfahren jedoch mittlerweile keine positive Fortführungsprognose: „Intelli hat mit seinem Heimkraftwerk eine ingenieurtechnische Meisterleistung vollbracht, das Gesamtkonzept ist entsprechend mehrerer Gutachten jedoch nicht wirtschaftlich darstellbar. Gleichwohl sich die Geschäftsführung der intelli production GmbH bis heute außerordentlich bemüht dem Heimkraftwerk eine Zukunft zu schaffen, wird das Unternehmen letztendlich nach der bereits erfolgten Veräußerung der Lagerbestände voraussichtlich in Kürze liquidiert,“ erläutert Dr. Bähr die aktuelle Lage im Gespräch mit der BHKW-Infothek. (lfs)

 

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