HMI 2015: Stellungnahme des B.KWK und Podiumsdiskussionen zur KWKG-Novelle sowie Energiemanagementsystemen

Video der Podiumsdiskussion zur KWKG-Novelle auf der HMI 2015Im Herbst 2014 sollte es ganz schnell gehen, dann war über längere Zeit nichts mehr zu vernehmen und nachdem das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im März ein Papier zu den Eckpunkten der anstehenden Novellierung des Gesetzes für die Erhaltung, die Modernisierung und den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung (KWKG) vorgelegt hatte, wurde angenommen, die Gesetzesänderung solle noch vor der Sommerpause kommen. Ganz so schnell wie im letzten Jahr bei der überhasteten EEG-Novelle soll es nun aber auch nicht gehen: „Es hängt davon ab, wann die politischen Entscheidungen fallen, um dann rasch in das Notifizierungsverfahren mit der EU-Komission eintreten zu können. Ein Inkrafttreten ist realistisch erst für Anfang 2016 zu erwarten“, erklärte BMWi-Referatsleiter Wolfgang Stopper hinsichtlich des Zeitplans zur Novellierung des KWK-Gesetzes letzte Woche auf der Hannover Messe 2015.

Podiumsdiskussion auf der HMI 2015
Im Rahmen einer Podiumsdiskussion auf dem KWK-Gemeinschaftsstand der Hannover Messe diskutierte Wolfgang Stopper mit Silke Laufkötter (Chefredakteurin „EuroHeat & Power“), Berthold Müller-Urlaub (Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung), Christian Grotholt (2G Energy AG), Kirsten Seeger (Techem Energy Services GmbH) und Norbert Neuhaus (RWE Energiedienstleistungen GmbH) über Zielrichtung und Inhalte der anstehenden Novelle. Während die Branche das fehlende Bekenntnis seitens des Ministeriums und der Politik zur KWK besonders im Hinblick auf die Aufgabe des bisherigen Gesetzeszweckes von 25 Prozent KWK-Stromanteil in Deutschland bis 2020 hin zu nur 25 Prozent an der konventionellen Stromerzeugung kritisierte, versuchte Stopper die Planung zur Aufgabe des bisherigen Gesetzeszweckes mit zu hohen Mehrkosten von bis zu 3 Mrd. Euro zu begründen.


HMI 2015: Zusammenschnitt der einzelnen Positionen der Diskussion zur KWKG-Novelle

Ungerechte Benachteiligung von Contracting soll bleiben
Die von Berthold Müller-Urlaub und Norbert Neuhaus im Verlauf der Diskussion mehrfach kritisierte Ungleichbehandlung von Contractoren, welche die volle EEG-Umlage auf den mit KWK-Anlagen erzeugten Strom abführen müssen, wenn Sie im Auftrag eines Kunden als kompetenter Partner für diesen Strom in seiner Kundenanlage erzeugen, scheint im BMWi auch nach mehrmaliger Erläuterung der Diskutanten nicht angekommen zu sein: „Es geht bei der KWK-Novelle nicht darum konkrete Geschäftsmodelle zu fördern, sondern CO2-effiziente Stromerzeugung zu fördern“, so Stopper. Das Problem besteht jedoch darin, dass Contractoren derzeit eine Ungleichbehandlung durch den Wegfall der Eigenstromreduzierung der EEG-Umlagehöhe erfahren, wenn diese als Dienstleister eine faktische Eigenerzeugung für den Strom-Letztverbraucher in seiner Kundenanlage durchführen.


HMI 2015: Die komplette Podiumsdiskussion zur KWKG-Novelle

KWK als Brücke oder Lösung?
Im Verlauf der Diskussion wurde auch klar, warum das KWKG eher stiefmütterlich von der Politik behandelt wird: „Wenn wir uns anschauen, auf welche Technologien wir im erneuerbaren Bereich bei der Energiewende setzen, nämlich Photovoltaik und Windenergie, dann zeigt sich, dass diese Technologien nicht für KWK geeignet sind,“ so Stopper. Auch hier widersprach Müller-Urlaub: „In diesem Zusammenhang hören wir häufig, dass die KWK als sogenannte ‚Brückentechnologie‘ gehandelt wird und das verstehe ich nicht!“ Müller-Urlaub betonte in diesem Zusammenhang, dass die KWK aus Sicht des B.KWK der geborene Partner der beiden vom BMWi forcierten regenerativen Energieträger sei – insbesondere im Bereich der Regelenergie, die nur mit Akkuspeichern in Einfamilienhäusern nicht abbildbar sei. Darüber hinaus sei bei der KWK nicht nur der Stromanteil zu betrachten, sondern auch der Effizienzgewinn im Wärmebereich, der zudem im Ergebnis einen wesentlich größeren Anteil am CO2-Ausstoß habe, als der Strommarkt. „Im Nachhinein auch noch die Bezugsgröße der KWK-Stromerzeugung zu ändern halte ich für unfair. KWK hat heute ein Sechstel Anteil an der Stromproduktion, geplant war für 2020 ein Viertel zu haben und das müssen wir unbedingt erreichen. Der blaue Brief aus Brüssel ist zwar schon ein paar Monate alt, aber er liegt noch immer da“ und daher führe kein Weg daran vorbei, am Ziel von 25 Prozent hocheffizienter KWK an der Gesamtstrommenge festzuhalten, so Müller-Urlaub.

Positionspapier des B.KWK zur KWKG-Novelle
Pünktlich zum Start der Hannover Messe hat der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung vergangene Woche zudem sein Positionspapier mit Forderungen hinsichtlich der Novellierung des KWKG unter Berücksichtigung der vom BMWi vorgelegten Eckpunkte präsentiert. Der B.KWK fordert in seinem Papier gleichermaßen den Neubau, die Modernisierung aber auch die Nachrüstung von KWK-Anlagen in allen Größenklassen zu fördern und am Ausbauziel von 25 Prozent KWK-Strom an der Gesamtstrommenge in Deutschland festzuhalten. Besonders erfreulich ist, dass sich der B.KWK mit seinem neusten Positionspapier endlich der bereits 2011 vom BHKW-Forum e.V. aufgestellten Forderung nach eigenen Förderklassen für Nano-BHKW und/oder Mikro-BHKW angeschlossen hat. Dies hatte zuletzt auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) getan und fordert konkret: “Die Förderung der „Strom erzeugenden Heizung“ (bis einschließlich 20 kWel) sollte im Rahmen des KWK-G besser abgebildet werden (z.B. stärkere Differenzierung in Bezug auf die Anlagengröße […]).” Der Verein BHKW-Forum ist seit Jahren der Ansicht, dass differenzierende und angemessene KWK-Zuschlagsätze für den Leistungsanteil bis 2 kW (Nano-KWK) sowie den Leistungsanteil bis 10 kW (Teilmenge von Mikro-KWK) unbedingt erforderlich sind. Bei der Festlegung dieser Zuschlagsätze sind nach Ansicht von BDEW, B.KWK und BHKW-Forum e.V. die anfänglich hohen Kosten von neuen Technologien wie Brennstoffzellen und Nano-BHKW zu berücksichtigen. Der Verein BHKW-Forum schlug daher bereits im letzten Jahr konkret eine Anhebung des KWK-Zuschlags auf 12 Cent je kWh für den Leistungsanteil bis 2 kW und 9 Cent je kWh für den Leistungsanteil bis 10 kW im Rahmen der anstehenden KWKG-Novelle vor.


HMI 2015: Energiemanagementsysteme als Weg zur Effizienzsteigerung mit KWK

Energiemanagementsysteme als Schlüssel für mehr KWK?
Im Schatten der alle übrigen Themen überstrahlenden Debatte um die Novellierung des KWKG widmeten sich die täglichen Podiumsdiskussionen auf dem KWK-Gemeinschaftsstand von B.KWK und dem ESCO Forum im ZVEI auch dem Alltagsgeschäft in der KWK-Branche. So diskutierten kurz vor der Debatte über die KWKG-Novelle Holger Dirks (Chefredakteur „energiespektrum“), Marcus Bort (EnBW Sales & Solutions GmbH), Jochen Buser (GUTcert GmbH), Jörg Müller (eta.hoch.zwei GmbH), Sebastian Franke (Verband der Chemischen Industrie e.V.) und Franz Rebstock (em: energie mainz GmbH) über Energiemanagementsysteme als Wegbereiter und Treiber für Effizienzsteigerungen in Unternehmen mittels KWK-Contracting. (lfs)

Mehr: Alle Meldungen der BHKW-Infothek zu BHKW-Veranstaltungen

 

3 Responses to HMI 2015: Stellungnahme des B.KWK und Podiumsdiskussionen zur KWKG-Novelle sowie Energiemanagementsystemen

  1. Ralf sagt:

    Ich habe die Podiumsdiskussion auf der Hannover Messe selbst verfolgt und bin fro, diesen Bericht hier noch mal lesen und sehen zu können. Ich bin der Meinung, dass die Förderung auf CO2 effiziente Stromgewinnung abzielen sollte. Dafür ist es dennoch wichtig stromerzeugende Heizungen in gewisse Größen einzuteilen und zu fördern

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