Der SOLO Stirling kommt als Cleanergy GasBox 901 zurück

Cleanergy GasBox 901 Herstellerbild (Foto: CLEANERGY AB)Totgesagte leben länger: Der bekannte SOLO Stirling 161 ist in den letzten Jahren hierzulande in Vergessenheit geraten, in Schweden wurde die Entwicklung jedoch fortgesetzt und zwei Demonstrationsanlagen in Deutschland sollen beweisen, dass die Anlagen nicht nur marktreif sind, sondern für bestimmte Anwendungsfälle auch handfeste Vorteile aufweisen: Für besonders niederkalorische Gase im Bereich bestimmter Deponiegase, Biogase oder Klärgase mit mindestens 18 Prozent Methangehalt bietet der FLOX-Brenner des jetzt als „Cleanergy GasBox 901“ angebotenen Aggregats erstmals eine wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeit.

Rückblick
Basierend auf einem aus den 1980er Jahren stammenden Motorendesign der schwedischen Stirling Power Systems und der United Stirling wurde um 1990 bei der Solo Kleinmotoren GmbH in Sindelfingen die Entwicklung eines Stirling-BHKW begonnen. Der Solo Stirling 161 wurde vom Vertriebsstart 2003 bis zur Insolvenz des Herstellers im März 2007 als großer Hoffnungsträger gefeiert. Nach der Insolvenz der SOLO Kleinmotoren wurden das Know-How und die Rechte am Stirling-BHKW von der Schweizer Stirling Systems AG übernommen und 2008 schließlich an die schwedische Cleanergy AB weiterverkauft. Die Cleanergy AB hat seit 2008 die Entwicklung am Gerät unter dem Namen Cleanergy V161, später Cleanergy C9G und seit neustem Cleanergy GasBox 901 fortgeführt. Während der Hersteller selbst keine konkreten Angaben zu den technischen Verbesserungen des Gerätes macht, konnte die BHKW-Infothek in Erfahrung bringen, dass das frühere Problem der unzureichenden Kolbenabdichtung inzwischen wohl behoben und der Motor verbessert worden sei, die Geräuschdämmung verbessert worden sein soll und es weitreichende Weiterentwicklungen an der Steuerung gegeben habe. Somit sollten nunmehr alle damaligen Probleme des Gerätes beseitigt worden sein.


Video: Cleanergy GasBox CHP-System Unternehmensvideo (englisch)

Zweiter Anlauf
Bereits im Januar 2012 kündigte der inzwischen liquidierte BHKW-Distributor Sanevo an, das Cleanergy-BHKW kurzfristig unter dem Namen CleanGen in Deutschland vertreiben zu wollen. Geplant war damals ein klassischer Mikro-BHKW-Vertrieb mit einer Installation in Heizungskellern, dem Betrieb mit Erdgas – und dementsprechend hohen Absatzzahlen. Von dieser Idee weicht das aktuelle Vertriebskonzept für die „GasBox 901“ grundlegend ab: Aufgrund der, verglichen mit anderen Mikro-BHKW, hohen Stückkosten werden jetzt ausschließlich Spezialanwendungen im Bereich niederkalorischer Gase bedient, wo der FLOX-Brenner der einzige Weg ist, das vorhandene Gas aus Kläranlagen, Deponien oder Faulprozessen überhaupt sinnvoll zu verwenden.

Technische Daten
Die GasBox 901 besitzt wie bereits die Urversion des SOLO Stirling eine stufenlos modulierbare elektrische Leistung von 2 bis 9 kW und erzeugt dabei eine Heizleistung von 8 bis 25 kW. Auch der besonders schadstoffarme FLOX-Brenner wurde beibehalten. Beim FLOX-Brenner werden das Brenngas und die notwendige Verbrennungsluft unvermischt mit hoher Geschwindigkeit in die etwa 800 °C heiße Brennkammer eingeblasen. Es bildet sich dann keine Flammenfront, sondern es erfolgt eine gleichmäßige Oxidation des Brennstoffs im gesamten Brennraum. Das Ergebnis ist eine besonders homogene Verbrennung mit unerreicht niedrigen Schadstoffemissionen verbunden mit der Möglichkeit, auch Gase zu verbrennen, deren Methangehalt so gering ist, dass sich Verbrennungsmotoren nicht mehr betreiben lassen.

Cleanergy GasBox 901 Herstellerbild (Foto: CLEANERGY AB)

Cleanergy GasBox 901 Herstellerbild (Foto: CLEANERGY AB)

Erste Erfahrungen
In Deutschland wird die GasBox 901 von zwei Cleanergy-Partnern angeboten: Das Unternehmen WUDAG – Westsächsische Umweltdienste AG ist Ansprechpartner in den Bereichen Klär-, Bio- sowie Prozessgase. Für Deponie- und Grubengase übernimmt die LAMBDA Gesellschaft für Gastechnik mbH den deutschen Vertrieb. Die erste Anlage in Deutschland wurde durch Wudag im Februar 2015 für eine sächsische Kläranlage errichtet. Wie der zuständige Techniker der Wudag im Gespräch mit der BHKW-Infothek erklärt, sei im Januar 2016 nach 5.500 Betriebsstunden die erste Regelwartung des Cleanergy-BHKW zusammen mit einem Vertreter des Herstellers durchgeführt worden. Das Stirling-BHKW habe bis zu dieser Regelwartung ohne Ausfall funktioniert und auch der Heliumdruck sei innerhalb der spezifizierten Parameter geblieben, was auf eine gut funktionierende Kolbenabdichtung hindeute. Auch Ablagerungen des unreinen Brenngases hätten keine Probleme bereitet und konnten einfach aus dem Brennraum entfernt werden. Mittelfristig könne das Wartungsintervall daher nach Einschätzung von Wudag auf 6.000 bis 7.000 Stunden ausgedehnt werden.

Cleanergy CSP SolarBox Testanlage in Dubai (Foto: Cleanergy AB)

Cleanergy CSP SolarBox Testanlage in Dubai (Foto: Cleanergy AB)

Ausblick
Cleanergy selbst hat aber noch ganz andere Pläne: Wie einstmals bei Sunmachine träumt man auch bei Cleanergy von der Kombination eines Stirlingmotors mit einem Solarparabolspiegel zur Sonnenenergienutzung, erprobt entsprechende Prototypen inzwischen seit 2011 und hat zuletzt 2014 mit dem „Mohammed bin Rashid Al Maktoum Solar Park“ die Erprobung von zehn SolarBox-Anlagen in Dubai gestartet. Eines muss man den Schweden lassen: Seit nunmehr 8 Jahren wird die Stirlingtechnik von Cleanergy hartnäckig verfolgt und die Produkte werden konsequent weiterentwickelt. Dennoch lassen sich die Installationen in ganz Europa noch immer an wenigen Händen abzählen und jede neue Anlage wird auf der Unternehmenswebseite gefeiert. Während der große Durchbruch also noch auf sich warten lässt, versprühen die Demonstrationsanlagen wie beispielsweise in Sachsen zumindest Hoffnung. Mit der Marktnische problematischer niederkalorischer Gase scheint das Unternehmen zudem genau die richtige Marktlücke für seine Technik gefunden zu haben. (lfs)

Mehr: Der SOLO Stirling 161 kommt noch 2012 in neuem Gewand!
Mehr: Alle Meldungen der BHKW-Infothek zum Cleanergy-Stirling, ehem. SOLO Stirling
Webseite: www.cleanergy.com / www.wudag.de

 

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