Erneute Gefahr im Kraftwerk für Besitzer eines ecoPower 1.0

Titelgrafik: Ausriss aus der ct Ausgabe 11/2013Rund drei Jahre ist es her, dass die BHKW-Infothek zusammen mit der Computerzeitschrift c’t und dem ecoPower-Besitzer Dirk Hedderich unter dem Titel „Gefahr im Kraftwerk“ eine gefährliche Sicherheitslücke im Steuerungssystem des Vaillant ecoPower 1.0 aufdeckte. Damals erhielten alle Besitzer eines Nano-BHKW von Vaillant einen Brief mit der Aufforderung, sofort den Netzwerkstecker zu ziehen. Vor wenigen Tagen erhielten die ecoPower-Betreiber erneut ein Massenschreiben aus Remscheid, doch diesmal sorgen keine Trolle aus dem Internet für Ungemach, sondern ein möglicher Gasaustritt aufgrund eines technischen Mangels innerhalb der Gasarmaturen der Geräte.

Was ist passiert?
Laut des Schreibens von Vaillant an die betroffenen Anlagenbesitzer wurde der Heiztechnikhersteller kürzlich „darauf aufmerksam, dass es […] zum Verspröden einer thermisch hoch belasteten Dichtung innerhalb […] des Honda Moduls kommen kann.“ Gleichwohl das statistische Risiko eines Gasaustritts „sehr gering“ sei, habe sich das Unternehmen in Anbetracht von möglichen „Sachschäden sowie [von] Gefahr für Leib und Leben“ im Falle von Verpuffungen dazu entschieden, die Anlagenbetreiber zur sofortigen Außerbetriebnahme der Anlagen durch Absperren der Gaszuleitung aufzufordern.

Gläsernes Vaillant ecoPower 1.0 bei der Weltpremiere auf der ISH 2011

Gläsernes Vaillant ecoPower 1.0 bei der Weltpremiere auf der ISH 2011

Problemlösung
Vaillant kündigt an, dass alle Anlagen kostenfrei vom Werkskundendienst überprüft werden sollen und erst nach einem Austausch des betroffenen Bauteils wieder in Betrieb genommen werden dürfen. Als Kulanzleistung bietet das Unternehmen allen Besitzern eines ecoPower 1.0 eine Entschädigungspauschale in Höhe von 100 Euro an. Die Wartezeit für den notwendigen Kundendiensttermin schwankt nach Berichten von Anlagenbetreibern im BHKW-Diskussionsforum je nach Region zwischen wenigen Tagen und Zeiträumen von über einem Monat.

Versuch einer Einordnung
Kein Hersteller ist vor Material- oder Konstruktionsfehlern gefeit. Die Frage ist, wie Unternehmen mit auftretenden Problemen ihrer Produkte umgehen. Während manche BHKW-Hersteller auch grobe Fehler nicht – oder wenn, dann nur heimlich im Rahmen von Wartungen beseitigen, geht Vaillant wie bereits damals beim IT-Securityproblem aktiv auf die Kunden zu. Der Schritt eines offiziellen und unmissverständlichen Warnhinweises für Mängel der eigenen Produkte fällt keinem Hersteller leicht und verdient nach Auffassung der BHKW-Infothek Anerkennung. (lfs)

Weiterführende Links zu dieser Meldung:
Kategorie: Alle Meldungen der BHKW-Infothek zum Vaillant ecoPower 1.0
Meldung: Vaillant bietet wieder BHKW-Vollwartungsverträge
Meldung: Kritische Sicherheitslücke ermöglicht Fremdzugriff auf Vaillant ecoPOWER 1.0

 

3 Kommentare zu Erneute Gefahr im Kraftwerk für Besitzer eines ecoPower 1.0

  1. MSP sagt:

    Seit zwei Monaten warte ich auch die Überweisung der KULANZPAUSCHALE. NAch vier Wochen Stillstad des BHKWs musste ich mich melden bis die NAchbesserung erfolgt ist.
    Die Kundenbetreuung wird m.E. nachlässig gehandhabt!

  2. Thomas Wallosek sagt:

    Ich betreibe ein Vaillant ecoPower 1.0 seit dem 24.04.2014! Seit diesem Zeitpunkt ist die Anlage noch nie länger als 4 Monate störungsfrei gelaufen! Während der ersten 2 Betriebsjahre wurden die Störungen kostenlos behoben bishin zum Motortausch, der mit dem ersten Wartungszeitpunkt zusammen fiel. Weitere Ausfälle wurden angekündigt und z.B. durch einen Düsentausch behoben! Unangenehm war der wochenlange Ausfall der Anlage, weil die Stromerzeugung während dieser Ausfälle nicht vergütet wurden!
    Als der zweite Wartungstermin anstand (Ende Mai 2017) fiel die Anlage erstmals mit dem Fehler SR-13.1 (Störung in der Lambdasondensteuerung) aus. Obwohl ich beide Vorfälle (Ausfall und Wartung) zur Behebung/Durchführung gemeldet habe, wurde der Vaillant-Techniker zuerst nur mit der Fehlerbeseitigung beauftragt und erst nach erneutem Ausfall der Anlage wegen Überschreitung des Wartungstermins wurde Vaillant am 14.06.2017 tätig – diese Wartung (incl. Fehlerbehebung) hat fast € 600,- gekostet.
    Seit 06.2017 ist die Anlage mit dem gleichen Fehler (SR-13.1) bis zum 10.04.2018 nun zum 3. Mal ausgefallen, obwohl am 14.12.2017 sogar die Lambdasonde kostenpflichtig getauscht wurde!
    Die Anlage (ecoPower 1.0) ist offensichtlich mehr als unzuverlässig und die wiederholte unnachhaltige Fehlerbeseitigung nach Garantieablauf sehr kostspielig – von den wochenlangen Stromausfällen abgesehen! Wie kann ich Vaillant für diese Schäden zur Verantwortung ziehen? Die Anlage muss ja noch etliche Jahre laufen, bevor die Investitionskosten von € 27.000,- (incl. MwSt) abgeschrieben sind.

  3. Pingback: EcoPower ohne Zukunft: Vaillant beendet BHKW-Produktion | BHKW-Infothek

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