Biogasrat beschließt strategische Neuausrichtung

Logo: Biogasrat e.V.In der Biogasbranche liegen die Nerven blank. Vermaisungsdebatte, steigende Pachtpreise und neue Anforderungen sowie Vergütungssätze des EEG 2012 sorgten kürzlich für einen dramatischen Einbruch im Anlagenbau, der entsprechend einem Artikel der Zeitschrift top agrar über 75 Prozent betragen soll.

Anstatt sich auf die neuen Rahmenbedingungen einzustellen und Lösungen wie den verstärkten Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplung, neuer Energiepflanzen und Biogasspeicherung zur flexiblen Stromerzeugung in den Fokus zu setzen, versuchte die Branche zuletzt die Schuld bei der Politik, hocheffizienten Erdgas-BHKW oder allgemein bei der Berichterstattung in den Medien zu suchen.

Der Biogasrat möchte ab sofort aus diesem Schema ausscheren und mit positiver Kraft und neuen Konzepten Biogas als flexiblen, systemintegrierten, dezentralen und nachhaltigen Bestandteil der Energiewende verstanden wissen. Als Zeichen dieser positiven Einstellung und der Erweiterung des Themenspektrums wird der Biogasrat ab sofort mit einem Plus im Namen als Biogasrat+ für dezentrale Energien auftreten.

„Wir stellen uns neu auf: wir sind der Verband der Energiewende“, verkündet Biogasrat+ Geschäftsführer Reinhard Schultz. Auch Dr. Thomas Stephanblome, 2. Vorsitzender des Biogasrat+, freut sich über die Weiterentwicklung des Verbandes: „Wir müssen die Zukunft der Energieversorgung aus der Perspektive von Systemintegration und Kosteneffizienz als Marktakteure mitgestalten und dürfen uns nicht länger über ausgetretene Subventionspfade definieren. Erdgas-KWK und Biomethan-KWK liegt dieselbe Technologie zugrunde. Wer dezentrale Energieversorgung will, muss auf KWK setzen und beiden eine wirtschaftliche Chance geben. Auf längere Sicht wird manche Erdgas-KWK von heute eine Biomethan-KWK von morgen sein.“

Der Biogasrat+ will sich neuen Technologien und Rahmenbedingungen nicht verschließen, erläutert Reinhard Schultz. Das gelte auch „für technologische Kooperationen mit Power to Gas, die Integration von innovativen Speichertechnologien, die Erschließung neuer Rohstoffe und den Anlagen- und Komponentenbau genauso, wie für kommunale und private Anbieter dezentraler Energieversorgung einschließlich Contracting, Energiehandel und Systemdienstleistungen.“

(Titelgrafik: Neues Logo des Biogasrat+ e.V.)

 

3 Responses to Biogasrat beschließt strategische Neuausrichtung

  1. HansHans sagt:

    Endlich! Auch die Biogasbranche muss mit der Zeit gehen. Mit so flachen Parolen wie „Neues KWKG darf Erneuerbare nicht konterkarieren“ oder schlimmer noch „Fachverband Biogas e.V. kritisiert die Bevorzugung von Erdgas im KWKG“ hat besonders der Fachverband Biogas in letzter Zeit der Biogsbranche sehr geschadet. Das KWKG regelt ja gerade den Einsatz von Erdgas in KWK-Anlagen, wohingegen des EEG die Biogasnutzung regelt. Sich darüber aufzuregen, dass das KWKG Erdgas bevorzuge zeugt von wenig Sachverstand. Schlimmer ist nur doch die Erklärung von heute, in dem der Fachverband Biogas auf der Frankfurter Rundschau herumkloppt, weil diese ein Problem von allen Seiten gleichermaßen beleuchtet. Mit Taschenspielervergleichen wie „Die Anbaufläche für Biogas in Deutschland macht 0,19 Prozent an der Weltgetreidefläche aus“ wird vom Fachverband auch das letzte bisschen Glaubwürdigkeit der Biogasbranche verspielt.

    Daumen hoch an dieser Stelle für den Biogasrat!

  2. BHKW-Infozentrum sagt:

    Vielleicht hätte man vor der Lobpreisung erst mal die letzte Stellungnahme des Biogasrates Plus lesen sollen…
    Diese trägt den Titel „KWK-Markt für Biomethan öffnen, Zusammenbruch verhindern“ und den Untertitel „Biogasrat+ präsentiert Lösungsvorschläge, um Markteinbruch durch KWK-G Novelle zu verhindern und zugleich die EEG-Umlage zu dämpfen.“
    Das Papier ist nicht so heftig wie die Aussagen des Biogas-Fachverbandes – aber die Richtung bleibt bestehen: Mehr Förderung für Biomethan-BHKW – und zwar auch innerhalb des KWK-Gesetzes.
    Es wird angesichts eines am 01. Januar 2012 erfolgten deutlichen Aufschlags auf die 20 Jahre geltende Biomethan-EEG-Vergütung behauptet, dass durch das KWK-Gesetz Biomethan endgültig aus dem Markt gedrängt wird – wegen zusätzlichen 0,3 – 1,9 Cent je Kilowattstunde gezahlten KWK-Zuschlägen, die bei KWK-Anlagen über 50 kW nur für 30.000 Nutzungsstunden gewährt werden.

    Die Probleme einer wirtschaftlichen Biomethan-Nutzung sind vorrangig begründet in dem sehr geringen Erdgas-Preis – und nicht in den 0,3 Cent Zusatzvergütung gemäß KWK-Gesetz (siehe Pressemeldung Verhindert das KWK-Gesetz des Biomethan-Ausbau?.

  3. BHKW-Infothek sagt:

    Die Papiere des Biogasrat+, auch diejenigen welche die eigenen Probleme dem KWKG anlasten wollen, sind uns sehr wohl bekannt. Allerdings zeichnet die danach erfolgte Stellungnahme zur Neuausrichtung des Verbandes ein anderes Bild, welches wir hier wiedergegeben haben. Papiere entstehen nicht von Heute auf Morgen und auch die Arbeit in einem Verband ist pluralistischer Natur.

    Den jetzt eingeschlagenen Weg des Biogasrat+ begrüßen wir und hoffen, dass sich die Branche insgesamt mit einem positiven Blick in die Zukunft sowie ohne unnötige Anfeindungen anderen Technologien gegenüber weiterentwickeln wird.

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