Bereits mehr als 500 ZuhauseKraftwerke von LichtBlick

Volkswagen EcoBlue (Bild: Volkswagen)Vor etwa zwei Jahren begann der Hamburger Ökostromkonzern LichtBlick mit der Installation von ZuhauseKraftwerken bei ersten Contractingkunden in Hamburg. Anfängliche Schwierigkeiten bei Volkswagen mit der komplexen Technik von Blockheizkraftwerken verzögerten den raschen Ausbau auf die von LichtBlick angepeilte Anzahl von 100.000 eigenen Kraftwerken in Deutschland. Im Laufe des letzten Jahres konnten Volkswagen sowie LichtBlick jedoch rasch aufholen und können das ZuhauseKraftwerk mittlerweile in zahlreichen Regionen anbieten.

Waren vor etwa einem Jahr lediglich 50 bis 60 Anlagen in Hamburg im Testbetrieb, kann LichtBlick heute bereits über 500 ZuhauseKraftwerke im ganzen Bundesgebiet steuern und in der Hamburger Leitzentrale Ein- und Ausschalten. Aus dem Stand binnen eines Jahres die Installation von etwa 450 BHKW zu erreichen, ist eine Leistung, auf die man in Hamburg stolz sein könnte. Schließlich handelt es sich bei der Modernisierung einer Heizungsanlage mit einem BHKW nicht um die bloße Produktion und Lieferung einer Maschine, sondern um 450 individuelle Bauprojekte mit entsprechend großem Planungs- und Installationsaufwand.

Wie die FAZ am Mittwoch berichtete, ist LichtBlick Gründer und Mehrheitseigner Michael Saalfeld mit der Entwicklung des Projektes jedoch nicht zufrieden, was dem einstigen Vorstandsvorsitzenden Christian Friege vor wenigen Wochen den Job gekostet haben soll. Um das Projekt voran zu bringen, soll Heiko von Tschischwitz als neuer Vorstandsvorsitzender die Kräfte für das ZuhauseKraftwerk aus den Bereichen Technik, Vertrieb sowie Kundenbetreuung zu einer Abteilung zusammengefasst und die bisherige Leiterin der Unternehmensentwicklung entlassen haben.

ZuauseKraftwerk Vertriebsgebiet (Grafik: LichtBlick Präsentation 2011)Der Autor des FAZ-Artikels stellt zudem ohne Angabe einer Quelle oder Begründung die Hypothese auf, dass LichtBlick interessierte Kunden für das Projekt fehlen sollen und sich „kaum ein Kunde“ ein ZuhauseKraftwerk installieren lassen wolle. LichtBlick Vorstandsmitglied Gero Lücking beteuert hingegen, dass das Interesse am ZuhauseKraftwerk „unverändert hoch“ sei und sich „zehntausende Interessenten“ auf der Warteliste befänden. Diese Darstellung von LichtBlick deckt sich mit den Marktbeobachtungen der BHKW-Infothek. Zahlreiche Leser berichteten uns, dass sie auf ein Angebot für das ZuhauseKraftwerk und auf die Erweiterung der Vertriebsgebiete warten, an der Lichtblick derzeit fieberhaft arbeitet (siehe Grafik).

Richtig ist wohl, dass anfängliche technische Schwierigkeiten bis vor etwa einem Jahr den schnellen Ausbau verhindert hatten. Nach unseren Informationen soll es noch vor der Auslieferung der ersten Geräte an Kunden Probleme mit den Prototypen im Testbetrieb bei Volkswagen hinsichtlich der Anpassung des Motors für den Stationärbetrieb gegeben haben. Leser mit den ersten ZuhauseKraftwerken aus der Pilotregion Hamburg berichteten uns später von anfänglichen Störungen und Softwareproblemen, die einen Start der Anlage verhinderten und sich nicht aus der Ferne beheben ließen. Diese Kinderkrankheiten sind jedoch mittlerweile behoben. „Die Entwicklung hat länger gedauert, als bei Bekanntgabe der Kooperation zwischen LichtBlick und Volkswagen abzusehen war“, erläutert LichtBlick-Vorstand Gero Lücking die anfänglichen Verzögerungen.


Vortrag zum ZuhauseKraftwerk von LichtBlick auf dem 7. BHKW-Info-Tag 2011
(Video: BHKW-Forum e.V., Kamera: B. Beyer, Bearbeitung: L. Stahl)

Lücking berichtet zudem von einem geplanten neuen Modell des ZuhauseKraftwerkes: „Bei den Installationen halten wir derzeit noch etwas den Fuß auf der Bremse, weil wir zusammen mit VW eine neue Baureihe von ZuhauseKraftwerken entwickeln. Das neue Modul wird eine Reihe weiterer Vorteile aufweisen“, verspricht Lücking.

Für den Kunden wird eine neue Modellgeneration jedoch keine direkten Vorteile bringen. Kunden des LichtBlick ZuhauseKraftwerkes schließen einen sogenannten Contractingvertrag mit LichtBlick, indem sich LichtBlick zur Lieferung von Wärme und Strom zu festen Preisen und der Verbraucher zur Vermietung der Stellfläche für das BHKW an LichtBlick verpflichtet. Wie gut das ZuhauseKraftwerk arbeitet und welche Verbesserungen LichtBlick nachrüstet, hat auf die Konditionen des Kunden keine Auswirkungen.

LichtBlick ist noch immer das führende Unternehmen beim Bau eines dezentralen Kraftwerkes und braucht seine Konkurrenten derzeit nicht fürchten. Die Telekom befindet sich noch in der Projektierungsphase und selbst RWE hat mit dem HomePower Projekt sein für 2011 gestecktes Ziel von 50 Anlagen auf 2012 verschieben müssen, wie ein RWE Mitarbeiter der BHKW-Infothek berichtete. Einzig Vattenfall ist mit seinem Projekt eines virtuellen Kraftwerkes bestehend aus BHKW und Wärmepumpen bereits vorangekommen und bietet zudem mit dem VHP-Ready Standard eine offene Schnittstelle, um herstellerunabhängig weitere Anlagen einbinden zu können. Derzeit beschränkt sich Vattenfall jedoch auf wenige Großanlagen, zumeist im Leistungsbereich zwischen 450 und 7.400 kW, und wird LichtBlick damit nicht gefährlich. Ob LichtBlick jedoch jemals das selbst gesteckte Ziel von 100.000 ZuhauseKraftwerken erreichen wird, bleibt abzuwarten.

Nachrichten: Weitere Meldungen zum ZuhauseKraftwerk von LichtBlick
(Titelbild: Volkswagen)

Ein Artikel von Louis-F. Stahl

 

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