Vertrieb des LichtBlick ZuhauseKraftwerkes ausgesetzt

Techniker am ZuhauseKraftwerk (Bild: Manfred Witt / LichtBlick AG)Keine vier Wochen konnte sich das neue Tarifmodell für das ZuhauseKraftwerk bewähren. „Derzeit ruht der Vertrieb für das ZuhauseKraftwerk“, offenbaren die Mitarbeiter des LichtBlick Callcenters anrufenden Interessenten. Doch den Gerüchten, denen zufolge das Projekt aufgrund von geringen Regelenergiepreisen und dem zunehmendem Merit-Order-Effekt am Ende sei, widerspricht LichtBlick Pressesprecher Ralph Kampwirth im Gespräch mit der BHKW-Infothek.

Das ZuhauseKraftwerk bot LichtBlick bisher ausschließlich im Rahmen eines Wärmeliefercontractings für Privat- und Firmenkunden mit einem Wärmebedarf von mindestens 40.000 kWh pro Jahr und einem bereits vorhandenen Erdgasanschluss an. Für den Kunden ergeben sich durch das Contracting überschaubare Kosten durch den Baukostenzuschuss, eine monatliche Grundgebühr sowie im Gegenzug eine Kellermiete für die Nutzung des Raumes durch LichtBlick. Der Wärmepreis richtet sich nach den lokalen Netzkosten sowie dem daraus resultierenden Preisniveau für Erdgas und wird bei Vertragsbeginn für zehn Jahre unter Kopplung an einen Gaspreis-Index festgelegt. Zusätzlich wird der Kunde am erzeugten Strom mit einem Bonus beteiligt. Für den Kunden ergibt diese Contractinglösung im Ergebnis ein Rundum-sorglos-Paket mit überschaubaren Kosten, bei dem LichtBlick sowohl das unternehmerische Risiko übernimmt als auch den Betrieb der Anlage sicherstellt.


(Video: LichtBlick AG)

VW BHKW Modell BluePower

VW BluePower Prototyp
(Bild: Volkswagen AG)

Produziert werden die Blockheizkraftwerke von Volkswagen im Werk Salzgitter. Mitte 2009 stellte VW das BluePower genannte erste BHKW-Modell der Öffentlichkeit vor. Nach weiterer Entwicklung wurden 2010 die ersten Geräte der zweiten Serie vom Typ EcoBlue durch LichtBlick bei Kunden installiert. Zum Einsatz kommt ein 2,0 l Gasmotor, welcher auch im VW Caddy und VW Touran EcoFuel Verwendung findet und 19 kW elektrische Leistung bereitstellt. Innerhalb von nur zwei Jahren installierte LichtBlick bereits 600 ZuhauseKraftwerke. Besonders schnell gelang der Ausbau in Hamburg mit derzeit 400 installierten ZuhauseKraftwerken. Weitere Kerngebiete des Ausbaus sind die Regionen um Stuttgart, Essen sowie Berlin mit jeweils zwischen 40 und 100 installierten Anlagen.

Wie die BHKW-Infothek im Juli berichtete, soll der LichtBlick Gründer und Mehrheitseigner Michael Saalfeld, trotz der für die BHKW-Branche guten Zahlen, mit der Entwicklung des Projektes insgesamt nicht zufrieden gewesen sein und als Konsequenz die Absetzung des damaligen LichtBlick-Vorstandsvorsitzenden Christian Friege veranlasst haben. Daraufhin wurde Heiko von Tschischwitz erneut zum Vorstandsvorsitzenden berufen und bündelte die Kräfte für das ZuhauseKraftwerk aus den Bereichen Technik, Vertrieb sowie Kundenbetreuung zu einer einzigen Abteilung.

Zum Anfang dieses Monats wurde der Baukostenzuschuss für das ZuhauseKraftwerk merklich angehoben und der Bonus für den erzeugten Strom gesenkt. Unangetastet ließ die neue Führung von LichtBlick bisher nur den monatlichen Grundpreis von 20 Euro, sowie die Heizraummiete in Höhe von 5 Euro. Betrug der Baukostenzuschuss bis zur Tarifänderung vor wenigen Wochen noch etwa 5.000 Euro, waren nach der Änderung mindestens 9.900 Euro fällig. Einen Bonus für den erzeugten Strom sollten die Hausbesitzer im neuen Basistarif nicht mehr erhalten. Nur bei einem Aufschlag auf den Baukostenzuschuss in Höhe von 3.500 Euro konnten sich Hausbesitzer zumindest einen Bonus von einem Cent je erzeugter Kilowattstunde sichern. Verglichen mit dem Bonus von 2,5 Cent je Kilowattstunde zur Markteinführung vor zwei Jahren zusammen mit dem deutlich erhöhten Baukostenzuschuss ergaben diese Änderungen eine nicht unerhebliche Verschlechterung der Konditionen.

Niederschmetternd fielen dementsprechend die Meinungen von Interessenten über die neuen Konditionen in Leserzuschriften an die BHKW-Infothek aus. „Das muss sich jeder Hausbesitzer dann doch zweimal überlegen“, stellte Ingeborg G. fest. Hans L. rechnete für sein Dreifamilienhaus nach und kam zu dem Schluss, dass „mit diesen Preisen jede Brennwerttherme bei den Installationskosten und im Betrieb günstiger“ sei. Auch an LichtBlick kann diese Reaktion des Marktes auf die neuen Tarife nicht unbemerkt vorbeigegangen sein. Nach nicht ganz vier Wochen sind die neuen Tarife bereits Geschichte. LichtBlick hat den Vertrieb des ZuhauseKraftwerkes vorläufig eingestellt.

LichtBlick Pressesprecher Ralph Kampwirth bittet Interessenten um Geduld. „Der neue Tarif war als Zwischenlösung zum Übergang in das neue Tarifmodell gedacht. Wir haben uns dann aber entschlossen, dieses Modell nicht weiter zu verfolgen. Der Vertrieb des ZuhauseKraftwerks geht selbstverständlich weiter, lediglich die Vertragsabschlüsse verzögern sich um einige Wochen. Wir arbeiten an neuen Vertriebsmodellen, die wir im Laufe dieses Monats in den Markt bringen. Mit den neuen Modellen werden wir die Bedürfnisse vieler Kundengruppen besser berücksichtigen können“, verspricht Kampwirth im Gespräch mit der BHKW-Infothek.

Auch den grundsätzlichen Problemen der sich ändernden Rahmenbedingungen auf dem Energiemarkt will LichtBlick mit der Neuausrichtung des ZuhauseKraftwerkprojektes begegnen. „Das derzeitige Geschäftsmodell des ZuhauseKraftwerks wurde im Grundsatz vor über drei Jahren erstellt. Die Rahmenbedingungen auf dem Energiemarkt haben sich seitdem grundlegend geändert. Wir haben dazugelernt und werden unsere Produkte dementsprechend anpassen. Doch auch wenn dank der Photovoltaik die Mittagsspitzen geringer ausfallen, sehen wir im Schwarmstromkonzept noch immer ein großes Potential. Je größer der Anteil der erneuerbaren Energien wird, desto wichtiger wird unsere schnell verfügbare dezentrale Regelleistung aus effizienter Kraft-Wärme-Kopplung sein,“ entgegnet Kampwirth angesprochen auf die derzeit geringen Regelenergiepreise und den zunehmendem Merit-Order-Effekt an der Strombörse.

Zu den Details oder der grundsätzlichen Ausrichtung der neuen Angebote wollte sich LichtBlick Pressesprecher Ralph Kampwirth im Gespräch mit der BHKW-Infothek nicht äußern. „Unsere derzeitigen Überlegungen sind ergebnisoffen. Aber ich bitte um Verständnis, dass weitere Details erst bekanntgegeben werden können, wenn LichtBlick mit den neuen Konzepten an den Markt geht.“ LichtBlick Mitarbeiter berichteten uns jedoch, dass neben dem bisherigen Contractingmodell sogar über die Möglichkeit nachgedacht werde, den Kunden ZuhauseKraftwerke zum Kauf anzubieten. Diese Gerüchte wollte LichtBlick offiziell weder dementieren, noch kommentieren.

VW BHKW Modell EcoBlue

VW Modell EcoBlue
(Bild: Volkswagen)

Unabhängig von der aktuellen Entwicklung des Geschäftsmodells von LichtBlick schreitet auch die Entwicklung bei Volkswagen voran. „Wir haben in enger Kooperation mit Volkswagen die mit den 600 bereits installierten ZuhauseKraftwerken gewonnenen Daten und Erfahrungen ausgewertet und entwickeln eine neue Baureihe von ZuhauseKraftwerken mit zahlreichen Detailverbesserungen“, berichtet Ralph Kampwirth.

Nachrichten: Weitere Meldungen zum ZuhauseKraftwerk von LichtBlick
(Titelbild: LichtBlick/M. Witt)

Ein Artikel von Louis-F. Stahl

 

14 Kommentare zu Vertrieb des LichtBlick ZuhauseKraftwerkes ausgesetzt

  1. Horst Fischer sagt:

    Was hält die Bundesregierung, insbesondere Herr Altmaier von diesem Projekt. Heute mittag bei der Pressekonferenz von Frau Merkel (Phoenix) wurde im Bezug auf die Elektroautoentwicklung auch kurz die Möglichkeit des Einsatzes der Antriebsbatterien zur Stromspeicherung erwähnt. Mann könnte bei einem Bestand von mehreren Mio E-Autos mindestens ein Pumpspeicherwerk einsparen! Wäre ein gewisser Bestand von Lichtblick-Anlagen im Hinblick auf den sog. Schwarmstrom nicht viel effektiver? Warum hört man aus der Politik nichts über die Lichtblick-Idee oder ist die Lichtblick-Idee nur ein schönder Traum? Wenn alles so toll wäre wie Ihre Veröffentlichungen behaupten wäre es doch die tollste Sache der Welt!!!

  2. Kraftwerker sagt:

    Ich habe mich schon immer gefragt, warum Lichtblick nicht wie jeder andere Contractor einen Summenmesspunkt baut und die Hausbewohner direkt beliefert. Den Strom erst durch das Netz zu jagen kostet unnötig Geld!

  3. Mario sagt:

    Nicht nur, dass der Ausbau stockt, jetzt steht das Projekt wohl erstmal ganz. Mir scheint die sind mit 100 Sachen gegen die Wand gefahren und versuchen jetzt einen Neustart mit einem anderen Konzept?! Da hätten doch kluge Köpfe mal den Markt beobachten können und in Ruhe eine Anpassung oder Neuausrichtung des Konzeptes planen können. Stattdessen versucht man erstmal den Preis zu verdoppeln und wundert sich jetzt, dass „die Bedürfnisse der Kunden“ nicht befriedigt werden. Zu deutsch: Die Kunden bleiben aus.

    • Ali sagt:

      Wir wollte auch auf das Contracting Angebot einsteigen. Dann habe ich die Wärmegestehungskosten gegengerechnet. Auch wenn sie einem scheinbar das Risiko abnehmen, erkennt mann schnell wer das Risiko tatsächlich trägt. Pro kwh, war Lichtblick in unserem Fall (80MWh Jahres Gasverbrauch) gute 3 cent teurer als ein BHKW in eigenbetrieb, zumal der kleine besser modulierbar ist. Mit einem Vollwartungvertrag ist dabei das Risiko auch überschaubar. leider fällt damit der Vorteil eines Verbundes für die Allgemeinheit weg. Schade das man immer nur als Privatmann alles schultern soll. Ich denke Lichtbllick muss sich in diesem Fall an die goldene Nase fassen. Schade, denn die Idee ist ja ohne Frage grandios.Meiner Meinung nach wird sie sich auch mit zunahme von wetterabhängiger Stromerzeugung auch durchsetzen, weil anders das Netz nur schwierig zu regel sein wird. Dann wird wohl auch die Politik darauf aufmerksam werden.

  4. HansHans sagt:

    Die ZHKW sind eh viel zu groß für normale imobilien. In schulen und altenheimen ist das vielleicht sinnvoll aber ein caddymotor im zweifamilienhaus?

  5. Mario sagt:

    Naja, die Leistungsdaten von den Geräten passen ganz gut. Es geht ja eben nicht darum Dauerläufer zu haben, sondern Regelenergie am Strommarkt. Die Wärme ist im Prinzip „Abfall“ und wird zwischengespeichert, bis diese im Haus gebraucht werden kann.

    Auch die anfänglichen Konditionen fand ich sehr attraktiv. 5000 Euro bezahlen, Fernwärmekomfort zum fairen Preis haben und dann noch jedes Jahr dank 2,5 Cent Bonus ein gutes „PayBack“. Aber mit den ganzen Preiserhöhungen und dem Wegfall des Bonus ist das jetzt Murks gewesen.

    Mal schauen was da jetzt an neuen Angeboten raus kommt!

  6. Solarstrom Simon sagt:

    Die Idee am der Strombörse Geld mit dem Schwarmstron verdienen ist gut. Auch für die Bedürfnisse des Strommarks Energie bzw Strom Liefern am besten wenn die Sonne und Wind zu schwach sind. aber warum sollen sich Hausbesitzer ein Wärme Contracting kaufen? Wenn die Wärme über eine normale Heizung günstiger ist? Oder besser selbst in ein Blockheizkraftwerk zu investieren?

    Dies sind die Punkte die nicht so Ideal für alle beteiligten sind, Beide sollten einen Vorteil an der Zusammenarbeit bekommen. Hoffe das die Firma Lichtblick bessere Konditionen anbietet für Ihre Kunden. Das Konzept ist gut und wird für die Energiewende benötigt.

    mit sonnigen grüßen Solarstrom Simoon

  7. Energie(aus)-nutzer sagt:

    Diese Technik der STROMHERSTELLUNG und die „abfallende Wärme“ als Heiz – oder/und
    Speichernergie zu verwenden ist ein absolutes Muss für unsere Zukunft!
    M.M. nach sollte „k e i n „fossiler oder sonstiger Brennstoff überhaupt noch “ n u r “ verbrannt werden , dies ist auf diesem Planeten passe`! Die Technik des Mini Blockheizkraftwerkes , es gibt schon 0,9 kWh Strom el BHKW mit „nur“ ca. 1,5 kWh Wärme th, nur sind diese Kraftwerke immer noch nicht ausgereift, aber es geht auf jeden Fall, das j e d e Heizung (95%) immer erst Strom produziert und daraus entsteht -ABWÄRME – die man nutzen kann!Die Heizungsthermen Lobby muss e r k e n n e n können,wo der Weg ist!
    Bis dahin ,mit „weitsichtigem“ Blick seit 1973 ,

    dachsige Grüße aus Westfalen

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  9. Richard Gerhold sagt:

    Technisch ist ein Verbrennungs-Kolbenmotor unfähig,
    seine Leistung dem stark schwankenden Strombedarf eines
    Haushalts anzupassen. Das geht einfach nicht.
    Fachleute sprechen von mangelnder Modulierbarkeit.

    Ganz anders kann ein Mini-Dampfkraftwerk seine Leistung
    rauf- und runterfahren, im Verhältnis 1 : 10. Damit erzeugt es
    nie zuviel Wärme und immer nur so viel Strom, wie gerade
    gebraucht wird.
    Hoffentlich kommt bald ein solches Mini-Dampfkraftwerk mit
    Mikro-Turbine auf den Markt.
    Die Dampfkolbenmaschine „lion“ betrachte ich als Vorläufer.

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