7. Investmentwarnung

Die Kraft-Wärme-Kopplung im Allgemeinen und Blockheizkraftwerke im Speziellen sind sowohl eine sehr umweltfreundliche Technologie als auch eine lohnende Investition für den Betreiber.

 

Neuer Markt

Seit Beginn des Jahres 2010 versuchen jedoch verschiedene Unternehmungen mit Kapitalanlageprodukten die Gelder von Investoren zu gewinnen. In den allermeisten Fällen handelt es sich bei diesen Unternehmungen jedoch um ähnlich substanzlose Konstrukte wie um die Jahrtausendwende am „Neuen Markt“. Diese Unternehmungen werben um Investoren, ohne das angelegte Kapital wirklich in Anlagen zu investieren. Geworben wird in bunten Prospekten und hübschen Präsentationen mit vielen Anlagen, die angeblich erfolgreich in Betrieb sind, dies ist jedoch nicht der Fall. Entweder können die Unternehmen keine einzige Anlage im Betrieb vorzeigen und versuchen dies mit fadenscheinigen Ausreden zu erklären, oder es existieren einige wenige Vorzeigeanlagen, durch die alle Investment Interessenten in Gruppen geschleust werden. In einem Fall ist uns eine Anlage bekannt, bei der mit der Stromerzeugung mittels eines Pflanzenöl BHKW geworben wird. Auch Monate nach der angeblichen Betriebsaufnahme, versicherte uns jedoch der Betreiber des Nähwärmenetzes, an welchen die erzeugte Wärme angeblich verkauft wird, dass er keine Wärme geliefert bekäme und selbst wenn, er diese keinesfalls zu dem in der Wirtschaftlichkeitsberechnung der Investmentfirma angegeben Preis abnehmen würde. Es stellte sich weiter heraus, dass der Betrieb aufgrund des Brennstoffpreises, sowie fehlender Abnahme und Vergütung der Wärme und dem damit nicht mehr zustehendem KWK-Bonus unrentabel ist und die Anlage tatsächlich nur zu Showzwecken kurzzeitig während der Führungen betrieben wird. Weitere Recherchen ergaben in diesem Fall, dass das BHKW einen Vorbesitzer hatte, welcher bereits vor Jahren den Betrieb wegen Unwirtschaftlichkeit der Anlage aufgegeben hatte.

Schneeballsysteme

Die meisten dieser Investment Konstrukte basieren auf einem sogenannten Schneeballsystem. Anstatt echte Renditen zu erwirtschaften wird das investierte Geld neuer Investoren als angebliche „Rendite“ an die bestehenden Investoren ausgeschüttet. Aus diesem Grund sollen Investoren auch Mitglied des Strukturvertriebs der Gesellschaft werden und neue Investoren werben, wofür Renditen oder Boni geboten werden. Oftmals wird auch damit geworben, dass Interessenten schnell für eine Region Teamleiter oder Vertriebspartner werden können. Dabei muss diese Struktur nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennbar sein. Einige Anbieter versuchen beispielsweise durch die Fassade einer Genossenschaft Vertrauen zu erwecken. Doch sofern nicht die Staatsanwaltschaft rechtzeitig einschreitet, bricht dieses Kartenhaus in dem Moment zusammen, indem nicht mehr genügend neue Investoren geworben werden können, um die Ausschüttungen an die bestehenden Investoren zu befriedigen.

(Grafik: BHKW-Infothek mit Material der U.S. SEC)

 

Der Fall GFE aus Nürnberg

Medial große Beachtung hat der Fall der mittlerweile insolventen GFE GmbH aus Nürnberg gefunden. Anlegern versprach die GFE Renditen von 30% durch die Investition in Pflanzenöl BHKW mit einem elektrischen Wirkungsgrad von angeblich über 75%. Erreicht werden sollte dies mit geheimen „energy saving“ Anpassungen am Motor der Container BHKW Module. Belegen sollte diesen Wirkungsgrad ein TÜV Gutachten. Dieses Gutachten stützte sich nach Informationen der Nürnberger Zeitung jedoch ausschließlich auf Messungen der GFE, was der TÜV nur in einer Fußnote erwähnte. Spätere Gutachten testierten, dem im Test unzuverlässig arbeitendem BHKW, einen Wirkungsgrad von rund 30%, was unterdurchschnittlich ist. Auch wurde aufgedeckt, dass die Verbesserungen am BHKW wohl von einem Esoteriker vorgenommen wurden.

Bereits von Anfang an wurden sowohl Renditeziele als auch der technische Aufbau von Mitgliedern unseres Diskussionsforum angezweifelt und Ungereimtheiten aufgedeckt. Dennoch ließen sich viele private Anleger von einer guten Show und vielversprechenden Hochglanzprospekten blenden.

Mittlerweile ist die GFE Group ein Fall für das Insolvenzgericht und die Staatsanwaltschaft, welche in mehreren Verfahren gegen mehr als 20 Personen ermittelt, acht GFE Funktionäre festgenommen und zahlreiche Konten eingefroren hat. Dennoch sind die Erfolgsaussichten der mehr als 1000 geprellten Anleger, die zusammen mehr als 25.000.000 Euro investierten, aufgrund nebulöser Firmenkonstrukte und Transaktionen in das Ausland ungewiss. Geschädigte sollten möglichst schnell anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen und entsprechende Forderungen anmelden. Zivil- und strafrechtliche Konsequenzen müssen zudem die GFE Anleger fürchten, die das Anlageprodukt selbst weiterverkauften und somit das Schneeballsystem stützten.

Diskussion: Der Fall GFE in unserem Diskussionsforum

 

Wie Sie unseriöse Anbieter erkennen

Überhöhte Renditeversprechen
Würden Sie dem Kundenbetreuer Ihrer Bank glauben, wenn er Ihnen ein Sparbuch mit 30% Rendite anbieten würde? Sicherlich nicht. Wäre ein solches Versprechen glaubhafter, wenn es aus dem Mund eines Kaffeefahrtanbieters käme? Wohl kaum. Und dennoch fallen tausendfach Anleger auf Renditeversprechen, von bis zu 30%, von unseriösen Investmentfirmen herein, deren Leistung darin besteht, Anleger mit schönen Fotos, Prospekten und falschen Berechnungen zu blenden. Dabei sind mit BHKW Anlagen durchaus Renditen von 20% möglich. Aber wenn Sie ein solches Projekt hätten und es seriös wäre, würden Sie einen Kredit mit unter 9% Zinsen aufnehmen oder eine entsprechende Anleihe ausgeben und die Rendite für sich behalten, anstatt andere daran zu beteiligen. Schließlich hat niemand etwas zu verschenken.

Angebliche Sicherheit
Zu dem unseriösen Versprechen von 20-30% Rendite kommt oftmals noch das Versprechen, dass die Anlage natürlich absolut sicher ist. Spätestens hier sollte jedermann klar werden, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen vorgehen kann. Verpackt wird dieses Versprechen in wohlklingende Worte wie „Rundum-Sorglos-Paket“, oder „Komplett-Versicherung“. Dies ist jedoch mitnichten der Fall. Entweder wird die Versicherung von einem „befreundeten“ oder verwandten Unternehmen gegeben, welches im Zweifel mit insolvent geht, oder die Versicherungsleistung beschränkt sich auf bestimmte Risiken. Doch was nutzt Ihrem Investment eine Maschinenbruchversicherung, wenn es in Wirklichkeit die versicherten Maschinen nicht gibt oder diese so minderwertig sind, dass eine korrekte Funktion ohnehin nicht möglich ist? Kein etabliertes Versicherungsunternehmen würde zudem ein Unternehmen gegen Insolvenz oder einen Anleger gegen Betrug versichern.

Komplizierte Firmenkonstrukte
In vielen Fällen gliedern sich die Systeme in mehrere juristische Personen, wobei diese verschiedene Aufgaben wahrnehmen sollen. In folgendem fiktiven Beispiel werden einem Investor Anteile an einer Unternehmung verkauft, welche ein BHKW Modul von einer anderen Gesellschaft kauft und dieses BHKW an ein drittes Unternehmen verpachtet, welches auch den Betrieb übernimmt und für Reparaturen einstehen soll. Der Investor glaubt nun, sein Investment sei sicher, weil er ja einen Eigentumsanteil am BHKW besitzen würde und er vermeintlich kein Risiko trägt, weil es einen 20 Jahre gültigen Pachtvertrag und keine laufenden Kosten gibt. Tatsächlich befindet sich das investierte Kapital bei der Unternehmung, welche das BHKW geliefert hat. Ist das BHKW nun in Wirklichkeit ein minderwertiger Notstromdiesel aus chinesischer Produktion, welcher zum vielfachen seines Wertes als hocheffizientes BHKW verkauft wurde, wird die Pächtergesellschaft nach einiger Zeit insolvent gehen und der Investor muss sich um die Entsorgung einer Anlage mit Schrottwert kümmern. Die Hintermänner hingegen haben zwischenzeitlich das, an die BHKW-Liefer-Firma gezahlte, Kapital beiseite geschafft, so dass der Investor am Ende der Geprellte ist. Dies ist zwar ein fiktives Beispiel – tatsächlich sind am Markt jedoch zahlreiche solcher Konstruktionen zu beobachten, bei denen durchschaubar ist, dass die Aufteilung so gewählt ist, dass der Investor beim Platzen der Blase möglichst schwer an die Hintermänner kommen kann.

Unglaubwürdige technische Daten
Der elektrische Wirkungsgrad liegt, abhängig von der Größe und Technik eines BHKW, bei 25% bis 45%. Werden Ihnen wesentlich höhere elektrische Wirkungsgrade versprochen, sollten Sie wachsam werden. Oftmals werden unglaubwürdige Wirkungsgrade mit technischen Innovationen erklärt. Das Spektrum reicht von speziellen Düsen oder Magneten, welche angeblich den Brennstoff optimieren, über spezielle Wunder(zünd)kerzen bis hin zu mysteriösen und streng geheimen Energiesparsystemen. Seien sie versichert, die etablierten BHKW- und Motorenhersteller holen bereits nahezu das derzeit erreichbare Optimum aus Ihren Aggregaten. Steigerungen um zum Teil beworbene 30 Prozentpunkte sind durch Wunder aus dem Reich der Esoterik nicht zu erreichen!

Angebliche Gutachten
In Verkaufsveranstaltungen wird zum Teil behauptet, der unglaubliche Wirkungsgrad sei von unabhängigen Institutionen wie dem TÜV oder der Dekra in Gutachten bestätigt worden. Lassen Sie sich die angeblichen Gutachten vorlegen und prüfen sie diese genau. Es sind Fälle bekannt, da beschränkten sich die beworbenen Gutachten in Wirklichkeit auf die Kontrolle von Berechnungen und enthielten keine tatsächlichen Messungen. Auch sollten Sie bei der Prüforganisation nachfragen und sich die Echtheit eines Gutachtens bestätigen lassen. Mit fadenscheinigen Argumenten, der Inhalt von Gutachten sei ein Betriebsgeheimnis, sollten Sie sich keinesfalls zufrieden geben.

Unrealistische Berechnungen
Grundlage für die angeblichen Traumrenditen sind oftmals realitätsfremde Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Die Möglichkeiten diese zu „frisieren“ stecken in nahezu jeder einzelnen Zeile der Berechnung. Besonders häufig werden die Brennstoffkosten viel zu gering angesetzt. Dies geschieht zum Teil sogar relativ offen und wird mit besonders günstigen Einkaufkonditionen begründet. Dies ist jedoch absolut unrealistisch, denn warum sollte ein Brennstoffhändler den gefragten Rohstoff unter Marktpreis verkaufen? Selbst bei großen Abnahmemengen sinken die Preise in der Realität nur sehr geringfügig. Auch werden die zu erzielenden Einnahmen aus dem Verkauf von Wärme oft zu hoch angesetzt, Wartungs- und Reparaturkosten zu niedrig veranschlagt oder mit unrealistischen Wirkungsgraden Berechnungen geschönt.

Strukturvertrieb
Wie bereits weiter oben auf dieser Seite im Abschnitt Schneeballsysteme beschrieben, basieren viele der zwielichtigen Investmentgesellschaften darauf, Ausschüttungen an bestehende Investoren mit dem Geld neuer Anleger zu finanzieren. Sollten Sie ein solches System erkennen, ist von einem Investment dringend abzuraten. Weiterhin sollten Sie bedenken, dass Sie persönlich zivil- und strafrechtliche Konsequenzen fürchten müssen, wenn Sie ein illegales oder betrügerisches Anlageprodukt verkaufen und somit das Schneeballsystem stützen.

Verkaufspsychologie statt Fachwissen
Ähnlich wie bei Kaffeefahrten brillieren die Verkäufer von unseriösen Investments nicht mit Fachwissen, sondern versuchen mit schwungvollen Präsentationen und dem Hervorrufen von positiven Gefühlen Anleger um den Finger zu wickeln. Gerne werden Präsentationen mit Hängematten und Karibikflair untermalt und Anlegern eine Sofortrente und Rundum-Sorglos-Pakete versprochen. Konzentrieren Sie sich bei solchen Präsentationen auf die tatsächlichen Fakten und hinterfragen Sie jede Aussage kritisch. Lassen Sie sich nicht von markigen Sprüchen und hübschen Bildern in die Irre führen.

Alles nur Show
Neben der Show zum Verkauf sind auch die oft vorgestellten Musteranlagen nur Show. Wie bereits weiter oben im Abschnitt Neuer Markt erläutert, können die Unternehmen oftmals keine einzige Anlage im Betrieb vorzeigen und versuchen dies mit fadenscheinigen Ausreden zu erklären, oder es existieren einige wenige Vorzeigeanlagen, durch die alle Investment Interessenten in Gruppen geschleust werden. Lassen Sie sich eine verbindliche Liste mit Anlagen im produktiven Betrieb geben und kontrollieren Sie unangekündigt ob die Anlagen auch wirklich existieren und in Betrieb sind. Sprechen Sie mit angeblichen Abnehmern von Wärme um die beworbenen Vergütungen und Verträge zu prüfen.

Sollten Sie sich nach Prüfung dieser Punkte über die Glaubwürdigkeit eines Angebotes nicht mehr sicher sein, konsultieren Sie ein unabhängiges Planungsbüro mit der Prüfung von Berechnungen und technischen Daten und einen auf Anlegerschutz spezialisierten Anwalt mit der Prüfung des Vertragswerkes hinsichtlich möglicher Fallstricke. Diese Prüfungen sind gut angelegtes Geld im Vergleich zum möglichen Verlust Ihres investierten Kapitals.

Diskussion: Investments und Beteiligungen in unserem Diskussionsforum


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